Farewell im Mercedes-Cabrio: Adé „Goldener Oktober“ mit dem C 300

Bevor sich der „Goldene Oktober“ mit seinen wunderbaren Farben für dieses Jahr endgültig verabschiedet, machen Ina und ich mit einem wie dafür geschaffenen Fahrzeug noch einmal einen Striufzug durch unsere Hochwälder Heimat: dem Mercedes C 300 Cabriolet

Kein Autobauer hat eine derart große Modellpalette an Cabrios wie Mercedes-Benz. Das gilt für Zwei- und Viersitzer, für Benziner und Diesel, für brave Einstiegsmodelle bis hin zu den exklusiven Modellen der Motorsport-Tochter AMG. Wir waren mit dem C 300, befeuert von einem 258 PS starken Reihen-Vierzylinder, zu einem Zeitpunkt in der Region unterwegs, in der sie ihre Anmut in gönnerhafter Fülle offeriert: Im Oktober, dem man an Tagen wie diesen (zu Recht) das Attribut „Golden“ verleiht.

Die C-Klasse, bei Daimler der „kleine Bruder“ der E- und S-Klasse, ist erstmals als Cabrio erhältlich. Doch wie das so ist unter Geschwistern: Entweder der eine gönnt dem anderen nichts, oder es wird fein säuberlich geteilt. Bei der offenen Auflage der C-Klasse, (sie beginnt beim 180 C), sind viele Ausstattungs-Elemente aus den höheren Segmenten mit „nach unten“ geflossen. Sofern es sich geziemt, bei einem Autobauer, dessen Gründervater nach dem Motto „Das Beste oder nichts“ gehandelt haben soll, von „unten“ zu sprechen.

So ist es denn auch im Falle unseres Testwagens.  Der ist zunächst einmal ein Mercedes-Benz und dann erst eine C-Klasse ist. Will sagen: Die Ansprüche, die der Kunde und Liebhaber von „Autos mit Stern“ stellt und erwartet, werden auch erfüllt: Das gilt in punkto Material, Verarbeitung, dem Stand der Sicherheit-, Komfort- und Vernetzungstechnik genauso wie für eine Skala, die man (Gott sei Dank) nicht mit metrischen Maßen, mit Physik, mit Bits und Bytes oder Zeiteinheiten messen kann: dem der Fahrfreude. Dem individuellen Empfinden,  Genuss mit und Hingabe an die Mobilität erleben und goutieren zu können.

Beginnen wir etwas profaner: Die offene Version wirkt im Vergleich zur Limousine dynamischer und sportlicher. Für die Karosserie-Schneider immer eine heikle Aufgabe, einem Automobil „mit und ohne Dach“ eine Silhouette zu verpassen, die beiderseits  gefällt. Das soll und muss irgendwo zwischen unauffälliger Schönheit und mondäner Grandezza liegen. Da auf diesem Feld  Meinungen und Urteile wie so oft auseinander liegen,  begnügen wir uns mit  Tatsachen:  der breiteren Spur, dem  um 15 Millimeter tiefer gelegten Fahrzeugkörper. Und einiger halsverrenkender Blicke von Passanten nach dem weißen Stuttgarter, die über das Gelingen der optischen Aufgabe mehr sagen, als es Zahlen und Worte tun können.

Das Cabrio, und das verwundert nicht, ist es doch weitgehend die gleiche Technik, fährt sich wie das Coupé: Das serienmäßige Stahlfedern-Fahrwerk lässt sich gegen ein optionales  mit Luftfedern austauschen. Elektronisch geregelt, kann man es  in vier Stufen vom Cruisen hin bis zu betont sportlicher Fahrweise konfigurieren. Die Stoffkonstruktion, in 20 Sekunden bis zu 50 km/h  von Geisterhand bewegt, ist die Gleiche wie bei E- und S-Klasse. Mit  gläserner Heckscheibe.

Laut  Aufpreisliste gibt es ein  mehrlagiges Akustik-Verdeck, nach dem wir  in Eifel und Hunsrück, oder an der Mosel entlang jedoch kein explizites Verlangen hatten. Eher genossen wir „Gimmicks“ wie den selbständig  nach vorn fahrenden Sitz als Einstiegshilfe für die Fond-Passagiere. Oder Windschott und Windlamelle, die Verwirbelungen zuverlässig absorbierten. Umschmeichelte dann  noch der „Airscarf“ (Luftschal) den Nacken mit lauen Winden, stand  dem spätsommerlichen Vergnügen nichts mehr im Wege.

Die 258 PS, die der Reihen-Vierzylinder aus knapp zwei Litern Hubraum schöpft, sind für das 1660 Kilo schwere Cabriolet eine ideale Kraftquelle. In Verbindung mit der neunstufigen G-Tronic stellt sich jenes Fahrempfinden ein, dass einer Symbiose zwischen entspanntem Dahingleiten und sportlichen Sequenzen sehr nahekommt. Wer unsere Heimat in diesen Tagen in voller Schönheit genießen möchte, braucht dafür nicht unbedingt einen offenen Mercedes. Aber er ist zumindest dazu angetan, dieses Vorhaben etwas nachhaltiger zu gestalten

Technische Daten Mercedes-Benz C 300 Cabriolet

Ausführung:                              viersitziges Cabriolet

L / B / H:                                    4,68 / 2,01 /  1,40 Meter

Gepäckraum                               285 – 360 Liter

Leergewicht:                              1660 kg

Motor:                                        Reihen Vierzylinder

Hubraum:                                  1991 ccm

Nenndrehmoment:                        370 Nm

Leistung:                                     258 PS bei 5880 – 6100 U/min

Höchstgeschwindigkeit:             250 km/h

Getriebe:                                    Automat, 9-G-tronic

Verbrauch (TV / MB)                  8,2 / 7,1  Liter Super auf 100 Kilometer

Preis:                                          ab 52.615 Euro