Flotter Kombi: Opel wertet sein Top-Modell Insignia GSI auf

Jahrzehntelang hat Opel die Mittelklasse mit Modellen wie Kapitän,
Admiral oder Senator beherrscht. Von den 1950er- bis in die späten
1970er-Jahre hinein waren das Autos, mit denen „man etwas darstellte.“ Im
vergangenen Jahr haben die Rüsselsheimer Ihr Topmodell, den Insignia
GSI, „facegeliftet“. Unser Fahrbericht mit dem Insignia GSI als Sports
Tourer.

Wer vor vielen Jahren einen Sports Tourer bei Opel haben wollte, der bekam: Nichts! Es sei denn, er wollte einen Caravan haben. Wer heute einen Caravan bei Opel haben will, der bekommt: Auch nichts! Es sei denn, er nimmt einen Sports Tourer. Derist eigentlich nichts Anderes als der gute
alte Caravan aus Kapitän-, oderAdmiral-Zeiten. Ein flotter, fünf Meterlanger Familienkombi.

Die Designer des deutschen Herstellers, der lange Zeit zu General
Motors, dann zu PSA und jetzt zum neuen Superkonzern Stellantis gehört, haben ein Coupé-artiges Fahrzeug mit abfallender Dachlinie, markantem Kühlergrill, einer signifikanten, dynamischen Seitenansicht mit
scharfen Kanten und einem tragenden Heckabschluss mit markantem
Doppelrohr-Endauspuff gezeichnet.

Die Maßnahmen an der Optik haben dem GSI gut getan, ohne einen übertriebenen Bürgerschreck à la „Mantader neuen 20er-Jahre“ aus dem Auto zu machen. Als der Letzte seiner Art fährt der Insignia noch die alten GM-Gene durch die Gegend. Raum gibt es nicht nur in der Länge, sondern auch quer und hoch auf beiden Sitzreihen. Im Fußraum, für
Kopf, Knie und Schultern. Dazu kommen 550 bis 1 670 Liter konfigurierbarer Kofferraum mit einem Schienensystem, Verzurr-Ösen und Befestigungsmöglichkeiten wie sie in einem Kombi sein sollten.

Der Insignia GSI ist ein typisches Langstrecken-Fahrzeug, obwohl er
auch durch die Kurven gewuchtet kein rollender Backstein, sondern ein
flotter Mittelklasse-Kombi ist. Nicht verzichten möchte man unterwegs
auf die AGR-zertifizierten Sitze. Dahinter verbirgt sich die Aktionsgemeinschaft Gesunder Rücken“. Die Fauteuils zeichnen sich durch integrierte Kopfstützen, Massage- und Belüftungsfunktion, verstellbare
Wangen und ein Komfortgefühl wie im Fernsehsessel aus.
Auf den 20-Zöllern von Michelin macht er zudem einen guten Eindruck.

Das Fahrwerk ist in vier verschiedenen Modi einstellbar. Sein größtes Plus jedoch: Dank eines kleinen Drucks auf die AWD-Taste in der Mittelkonsole schaltet man die Hinterachse mit dazu, was sich auch auf den Verbrauch günstig auswirken soll. Darüber freut sich vor allem die Traktion am Ausgang scharfen Kurven-Geschlängels. Dank Torque Vectoring an der Hinterachse gebärdet sich der Insignia GSI bei flotter Fahrt
nicht ausbruchsverdächtig. Bei der Motorisierung ist Opel den
umgekehrtenWeg gegangen, als man das eigentlich bei der Vorstellung
neuer Modellreihen oder überarbeiteten Fahrzeug-Generation gewöhnt
ist.

Das Prinzip der Steigerung von Leistung und Geschwindigkeit wurde
der Reduzierung der Emissionen und des Verbrauchs geopfert: 230 statt 260
PS, 350 statt wie vorher 400 Newtonmeter Drehmoment. Für einen GSI
hätten wir uns jedoch einen Schuss mehr Längsdynamik und – aber das
ist von Fahrgefühl zu Fahrgefühl verschieden – etwas weniger Poltern bei
langsamer Fahrweise gewünscht.

Opel hat dem Insignia GSI aber beim Facelift nicht seine sportlichen
Attribute geklaut. Wo GSI draufsteht und ein paar rote Brembo-Scheiben
durchschimmern, darf man auch Sturm und Drang erwarten. Mit Online-Navi, Stauinfos in Echtzeit, Parkplatz-Infos, Head-Up-Display in hoher Auflösung und Spiegelung der Handy-Inhalte ist das Top-Modell der
Rüsselsheimer – Stellantis zum Trotz – immer noch eine deutsche TopMarke mit Vergangenheit und Zukunft.