Der neue Nissan Interstar: NfZ und Pkw zugleich

Für Gewerbetreibende und Unternehmer ist der Transport von Waren Kerngeschäft. Das Angebot ist zwar vielfältig, aber oft schlecht überschaubar. In solchen Fällen greifen Synergie-Effekte von Allianzen bei den Herstellern. Wir fuhren den neuen Nissan Interstar, der auf dem Renault Master basiert. Und zwar mit Diesel-Antrieb, nicht in dererstmals ebenfalls erhältlichen Elektro-Variante.

Der neue Nissan Interstar gehört in die Kategorie der sogenannten leichten Nutzfahrzeuge. Fahrzeuge dieser Art müssen verschiedenen Anforderungen in Bezug auf Größe, Variabilität genügen. Nissan hat die neue Interstar-Generation im Vergleich zum Vorgänger an die Bedürfnisse der Klientel angepasst. Das heißt, er ist größer, vielseitiger und damit individualisierbarer geworden. Nicht nur die Abmessungen einer Länge von 5,70 Metern (individualisierbar bis auf 6,41 Meter) und einer Höhe von 2,50 Metern (bis 2,75 Meter), sondern auch Front und Design lassen aus dem wuchtigen Testauto ein Fahrzeug werden, das auf Funktionalität ausgelegt ist. Wenngleich die Kabine für Fahrer und zwei Personen genügend Platz bietet und neben den notwendigen Ablage- und Arbeitsmöglichkeiten eher Pkw-Charakter ausstrahlt.

Ab Werk bietet der Hersteller Kipper-, Pritschen- und Kastenwagen an. Überhaupt ist alles ein bisschen größer, aber auch handlicher geworden. Mehr Ladefläche, größere Seitentür. Nutzlast beim Diesel von bis zu zwei Tonnen beim Diesel. Beim Stromer sind es immerhin noch 1,6 Tonnen. Uns haben aber nicht nur die Funktionalität des neuen Nutzfahrzeugs, sondern auch dessen Fahreigenschaften interessiert. Und da müssen wir dem Interstar attestieren, dass sich dieser übergroße Wagen wirklich wie ein Pkw fährt.

Prompte Rückmeldung von der Lenkung ist das erste, was wir festhalten. Rangieren ist dank Rückfahrkamera und Sensoren nicht gerade kinderleicht. Aber als Fahrer, der in der Regel kleinere Dimensionen gewöhnt ist, wurden unsere ersten Bedenken zwar nicht behoben, aber zumindest so minimiert, dass der Umgang mit diesem für uns ungewohnten Fahrzeug rasch praktikabel wurde. Woran wir uns schnell gewöhnt hatten und worauf wir besonders achteten, das war das korrekte Einstellen der beiden Außenspiegel an jeder Seite. Und das funktionierte leicht und passgenau.

Beim Interstar der neuen Generation wurde der Sicherheitsgedanke nicht nur wegen dieser beiden einstellbaren Seitenspiegel, sondern auch wegen passiver und aktiver Systeme vorbildlich umgesetzt. Etwa ein Notbremsassistent, ein Müdigkeitswarner, ein Reifendruck-Kontrollsystem, ein Anhänger-Stabilisierungssystem und ein Bremssystem, das unabhängig vom Fahrzeuggewicht für ideale Bremsleistung sorgen soll. Prüften wir nicht nach, sagt der Hersteller. Dieses leichte Nfz, so unser selbst „erfahrenes“ Fazit, ist trotz seiner Dimensionen für den Lieferverkehr in der Stadt geeignet.

Die Transformation des Automobilsektors hört nicht hinter dem Pkw auf und macht auch vor den Nutzfahrzeugen nicht Halt. Dieses Credo setzten inzwischen die meisten Nutzfahrzeug-Hersteller um. So auch Nissan mit dem neuen Interstar-e. Der Antrieb des Stromers ist aus dem Master E-tech von Kooperationspartner Renault bekannt. Wie bei seinem Verbrenner-Vorgänger bietet der neue Nissan-Transporter in der Elektro-Version nicht nur größere Abmessungen, sondern auch mehr Individualisierungsmöglichkeiten und eine verbesserte Aerodynamik .Nissan spricht von 20 Prozent weniger Luftwiderstand. Die Abmessungen sind identisch mit denen des Verbrenners. Die maximale Anhängelast beziffert der Autobauer auf zwei Tonnen, die maximale Nutzlast auf nahezu 1,5 Tonnen.

Das überarbeitete Interieur weist strapazierfähigere Sitzbezüge, eine Sitzheizung und eine beheizbare Windschutzscheibe sowie ein verbessertes Infotainment-System inklusive Apple CarPlay und Android Auto auf. Auch die Sicherheitssysteme sind mit denen des Diesel identisch. Die Dimensionen beschränken sich nicht nur auf die äußere Erscheinung. Abhängig von der Ausstattung steht den Passagieren im Innenraum ein bis zu 135 Liter größerer Stauraum zur Verfügung. Als Kastenwagen gibt es auch die Variante als Doppelkabiner.

Es gibt vier verschiedene Optionen an Größen und Antrieben: L2H2 oder L3H2 mit 130 oder 143 PS Maschine (Batterie 40 oder 87 kWh). Die Reichweite soll je nach Akku 220 oder 460 Kilometer betragen, sagt Nissan. Zum Marktstart gab es zunächst nur die Variante mit der größeren Batterie. Das Schnellladen soll der Interstar-e mit 130 kW DC absolvieren. An AC-Ladestationen seien 22 kW möglich. Die Preise variieren demzufolge zwischen 47.380 54.480 Euro, jeweils netto.

Text: Charlys Autos: Fotos: Dennis Weber / Charlys Autos / Nissan