Nachspiel für das Vorspiel: Der neue Honda Prelude

Es gibt sie also doch noch: Autos, die nicht nur Crossover mit allen möglichen Karosserie-Erscheinungen auf einmal ins Leben rufen. Die nicht das X-te SUV auf die Räder stellen. Sondern optisch betörende und technisch aufwändige, aber beeindruckende Lösungen transportieren. Um ein solches Fahrzeug handelt es sich heute. Um den neuen Honda Prelude.

Der Begriff kommt eigentlich aus der klassischen Musik, bedeutet so viel wie Vorspiel, Auftakt,. Der japanische Auto- und Motorenbauer verpasste dem aufregend geschnittenen Prelude diesen Namen, weil er im Laufe seiner Modellgeschichte oft als Auftakt, Versuch, eben als „Vorspiel“ für neue Technologien und neue Formen diente. Der Honda Prelude ist ein sportliches Mittelklasse-Coupé, das von 1978 bis 2001 gebaut und dann eingestellt wurde. In diesem Jahr kam er als Solitär und moderne Hybrid-Version auf den Markt zurück.

Flach, lange Motorhaube. Kurzes, breites Stummelheck: Ein solches Auto findet man derzeit auf unseren Straßen selten bis gar nicht. Zumindest in der „Kategorie bezahlbar.“ Und Honda traute sich nach gut einem Vierteljahrhundert wieder etwas beim Comeback seines einstigen Schönlings. Der 2+2-Sitzer wird nicht mit einem hochdrehenden Benziner, sondern als Vollhybrid offeriert. Dem Zeitgeist entsprechend verbindet er gestalterische Klassik mit technischer Moderne.

Unter die Anmutung „Es war einmal“ fällt beim Prelude das Cockpit, in das man nach einer Art „Hineinfallen“ auf den Fahrersitz mit seinen engen Wangen der Sitze gelangt. Hurra, möchte man sagen. Endlich mal kein hochbeiniges Einsteigen, keine „SUV-Gedenkübersicht“ aus hoher Position. Der Prelude ist ein Sportcoupé, dessen Cockpit weitestgehend aus dem Civic übernommen wurde. So entsteht rund um den kleinen 9-Zoll-Bildschirm eine gewisse analoge Vertrautheit mit Tasten und Drehreglern, wie man sie von anno dazumal kennt.

Was man sonst auch nirgendwo findet, ist die Idee, Fahrer- und Beifahrersitz losgelöst voneinander zu konzipieren. Der Fahrersitz eher straff und sehr konturiert, der Platz für Beifahrer / Beifahrerin dagegen spürbar körperbetont und weicher. Das keinen Anlass zur Kritik gebende Material ist dagegen das Gleiche. Dank der großen, weit ausladenden und gut arretierenden Heckklappe geht Beladen vorzüglich. Wenngleich die hohe Kofferraumkante das nicht gerade erleichtert. Klappt man die Rücksitzlehnen um, so werden aus eher mickrigen 264 Litern einladende 760.

Mehr als eine Art technischer Spielerei ist die sogenannte S+ Shift-Funktion. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein simuliertes Achtgang-Getriebe. Schaltwippen und optische „Begleitmusik“ eines Getriebes, das eigentlich gar keines ist, inbegriffen. Die vorgetäuschten Gangwechsel sind jedoch erstaunlich „glaubwürdig“ Mehr darüber im eigenen Artikel auf dieser Seite.

Den Hybrid-Antrieb hat Honda aus dem Civic e:HEV übernommen. Dort übernimmt ein Elektromotor mit 184 PS und 315 Nm Drehmoment das Meiste an Vortrieb. Der 143 PS starke zwei Liter große Benziner fungiert dabei als Generator. Irgendwie vermittelt das Fahrgefühl eher ein Elektroauto als einen traditionellen Verbrenner.

Verbrenner-Hybride erinnern meist an das vom konventionellen Triebwerk her gewohnte Antriebsverhalten und Fahrgefühl. Der Prelude ist da anders, der spontane Schub eines Elektroautos durch das frühe und fast schon überbordende Drehmoment machen aus dem Hybriden vom Gefühl her einen leichtfüßigen Stromer. Der macht besonders Spaß, wenn man die Automatik eben Automatik sein lässt und sich des S+ Shift-Buttons in der Mittelkonsole bedient.

Das vorgetäuschte manuelle Achtgang-Getriebe mit den simulierten Gangwechseln per Schaltwippen am Lenkrad ermuntert geradezu zum Spielen mit den Wipp-Schaltern. Das Auto ist für die oft kleinen, winkligen Land- und Kreisstraßen in unserer Region wirklich geeignet. Der frontgetriebene Prelude, permanent rauf und runter „gewippt“, tänzelt fast leichtfüßig auf der Hinterhand durch das Kurvengeschlängel von Hochwald und Eifel. Das liegt auch daran, dass über die Vorderachse jede Menge Grip aufgebaut wird und den Begriff Untersteuern so gut wie aus dem Wortschatz nimmt.

Das wirkt sich auch auf die Wiedergabe des Fahrwerks aus, das aus dem Civic Type R entnommen wurde. Serienmäßig adaptive Dämpfer ermöglichen einen kontrollierten Aufbau des gemeinsamen Konstrukts von Stabis, Federung, Lenkung Bremsen. Der ermuntert dazu, ruhig einmal etwas mehr zu riskieren, ohne dabei Gefahr zu laufen, an oder über die Fahrwerksgrenzen zu gehen.

Unserer Meinung nach hätte dem Prelude ein Sechszylinder gut getan. Der Vierzylinder ist weder von der Leistung noch von der Akustik her der letzte Schluss der Weisheit dieses wunderbar gelungenen Autos. Das Aggregat müht sich unten rum reichlich und ist kein wirklicher Freudenspender. Fazit: Honda hat gut daran getan, dem Prelude ein zweites Leben zu verleihen. Und es wird sicherlich irgendwann ein Facelift geben. Das Design holt einen ab und das Hinterteil – man möge mir verzeihen – braucht sich hinter dem von Jennifer Lopez nicht zu verstecken.

Technische Daten Honda Prelude

Ausführung:                2+2-sitziges Sportcoupé

L / B /H:                       4,53 / 1,89 / 1,35 Meter

Radstand:                                           2,60 Meter

Kofferraum:                                 264 – 760 Liter

Leergewicht / Zuladung:              1545 / 305 kg

Motor:                        R4-Benziner, Hybrid, fwd

Systemleistung Verbrenner / Elektro:    327 PS

Höchstgeschwindigkeit:                      188 km/h

CO2-Emissionen:                                   117 g/km

Verbrauch (eigen)                  5,3 Liter / 100 km

Basispreis:                                         49.500 Euro

Text: Charlys Autos / Fotos: Charlys Autos, Thorsten Weigl