Fiat 500 und 600: Ein Testvergleich zweier „Bambini“

Wenn’s nicht nur klein und kompakt, sondern auch stylisch, frech, munter, bunt und lebenslustig sein soll, dann ist Fiat ganz groß. Der italienische Autobauer ist seit jeher dafür prädestiniert, für erschwingliche Mobilität mit einem aufmunternden Schuss Dolce Vita zu sorgen. Der Cinquecento (500) verzeichnete im Juni dieses Jahres einen Marktanteil von 23 Prozent im Mini-Segment und steigerte seine Zulassungsrate gegenüber dem Vorjahr um 118 Prozent.  Der schnuckelige Cinquecento, erhältlich in einer Hybridversion und als Elektroauto,  ist weiterhin der beliebteste Kleinstwagen in Deutschland.

Wir machten uns jedoch stattdessen einmal mit dem „größeren Bruder“, dem Seicento (600) auf eine kurze Runde. Was hat er, was der 500er nicht hat und was unterscheidet beide. Sowohl 500 wie auch 600 treten zwar beide in einer ähnlichen Retro-Kategorie an, bedienen jedoch völlig unterschiedliche Bedürfnisse. Der Cinquecento als quirliger urbaner Charmeur mit vielen Accessoires und einem Hauch von Frauen-Liebling.

Der Seicento ist dagegen mehr ein zwar kompakter, aber sehr praktischer großer Bruder mit Crossover-Eigenschaften. Ein Auto also mit viel Platz, variabel nutzbar und entspanntem Alltagskomfort. Erhältlich als 1.2 Turbo (100 PS), als e-Hybrid mit 100 oder 136 PS, als Hybrid mit 100 oder 136 PS und als 600e mit 156 PS.Beide sollen jedoch, ungeachtet des Antriebs oder der Leistung,  das typische Fiat-Lebensgefühl vermitteln. Während der 500 mit liebevollen Retro-Details eine ganz bestimmte, emotional angehauchte, Klientel anspricht, setzt der 600 auf leichtere Bedienbarkeit, Alltagspraktikabilität und daraus resultierend auch auf mehr Hartkunststoffflächen. Das virtuelle Italo-Duell zweier ähnlicher, aber eben doch verschiedener Kleinst-Fahrzeuge heißt also stylisch gegen pragmatisch.

Der Fiat 600, den wir als e-hybrid fuhren, taugt nicht so sehr als Zweitwagen, sondern ist eher für junge Familien, die Wert auf praktischen Chic legen, gedacht. Er überzeugt mit mehr Platz im Interieur, einem größeren Kofferraum, (385 gegenüber 185 Liter),  mehr Langstreckenqualitäten. Und er ist auch als pragmatischer Hybrid-Einstieg etwas abseits des optischen Mainstreams für junge oder jung gebliebene Familien wie auch für Freizeit-orientierte Singles geeignet.

Noch ein paar interessante Vergleichsdetails: Während der „Kleine“ 325 kg draufpacken darf, kommt der „Große“ auf deren 517. Allein daraus und aus den Daten der Kofferraum-Volumina sind die unterschiedlichen Konzepte ersichtlich. Der Fiat 600e hat übrigens  eine Wärmepumpe, wie auch die Schwestermodelle aus dem Stellantis-Konzern. Was die elektrische Reichweite angeht, hat der 600 mit bis zu 409 Kilometer (Herstellerangaben) gegenüber dem 500 mit 330 Kilometern

Was uns bei unserer kurzen Kennenlernen-Fahrt mit dem Seicento auch auffiel: Die Sicht nach hinten ist trotz der recht schmalen Heckscheibe ausgesprochen gut. Die nicht gerade kleine C-Säule schränkt den Blick nach hinten allerdings etwas ein. Bei der Version 600 Hybrid Sport ist deshalb eine Rückfahrkamera inklusive eines 360-Grad-Bordviews an Bord, was sehr zu begrüßen ist.

Unser Fazit: Beide Modelle der Fiat-Familie, , der „Große“ und der „Kleine“ Bruder, zeigen, dass es im überbordeten SUV-und Crossover verhunzten automobilen Alltag glücklicherweise noch begehrenswerte alternative Karosserien gibt.

Text: Charlys Autos / Fotos: Dani Heyne, Fiat