Verstappen läßt alle Rekorde beim Ring-Klassiker purzeln

Das größte Starterfeld, der bekannteste Teilnehmer, die meisten Zuschauer, das attraktivste Rahmenprogramm: Nur knapp eine Woche vor dem Beginn des 54. ADAC 24h-Rennens auf dem Nürburgring (14. – 17. Mai) drohen bei der Bewertung dieses Langstreckenklassikers in der Eifel die Superlative aus zu gehen. Dabei soll das Rennen zweimal rund um die Uhr mit seinem unvergleichlichen Flair in der Nacht eigentlich auch heute noch das sein, als was es 1970 gedacht war und umgesetzt wurde: Ein Breitensportangebot für passionierte Hobbyfahrer, die sich die teure Teilnahme am professionellen 1000-km-Rennen nicht leisten konnten.

Der Begriff „legendär“ für die Nürburgring Nordschleife trägt mittlerweile schon inflationäre Züge. Und dennoch stellt dieser unvergleichliche Kurs Jahr für Jahr Hunderte von Fahrerinnen und Fahrern aus der ganzen Welt vor Herausforderungen, wie sie keine zweite Rennstrecke zu bieten hat. Aufgrund der Länge (25,38 Kilometer in Verbindung mit der Grandprix-Strecke). Aufgrund der Topographie                             . Und aufgrund der unvorhersehbaren Witterungsverhältnisse in der Eifel, wo sich im Verlauf einer einzigen Runde das Wetter mehrfach ändern kann und damit zu der von Sir Jackie Stewart vielfach beschworenen „Grünen Hölle“ wird.

Weil der Ansturm der Teams so groß war, wurde sogar die Ausschreibung angepasst, die das Feld ursprünglich auf 150 Teilnehmer beschränkte. Möglich wurde das auch, weil viele Rennteams ihren Platzbedarf beschränkten und so Platz für die Konkurrenten und Kollegen machen. Dabei geht das größte Starterfeld seit 2014 (damals waren es mit 165 noch vier mehr als heute) mit völlig unterschiedlichen Ambitionen ins Rennen.

Während die größtenteils Werksunterstützen Profis mit neun GT3-Herstellern und 49  Fahrzeugen in den Top-Klassen SP9, SP-Pro, SP-X und AT1  sich entweder den Gesamterfolg oder zumindest Top-Ten-Ergebnisse auf die Fahnen geschrieben haben, geht es für das Gros der übrigen 112 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in erster Linie um eines. Wenn möglich Klassensiege, vor allem aber heil ankommen und auch noch irgendwie das unvergleichliche Spektakel vor allem in der Nacht genießen.

Zwar wird der absolute Saison-Höhepunkt auf dem Nürburgring in diesem Jahr zum großen Teil vom Schlagzeilen-Gewitter rund um die Teilnahme des vierfachen Formel1-Weltmeisters Max Verstappen und seines mit drei weiteren Weltklasse-Piloten besetzten Winward AMG-Mercedes GT3 dominiert. Aber dieses Rennen mit seinen unglaublichen Geschichten, Ereignissen, Vorkommnissen, unvorhersehbaren Wendungen und Wandlungen noch kurz der schwarz-weiß karierten Flagge ist mehr, viel mehr als nur ein Verstappen-Festival. Viele Dauergäste beim 24er zeigen sich bereits genervt: „Ich kann den Namen nicht mehr hören. Wir kommen seit Jahren hierhin. Des Rennens und der Atmosphäre wegen und nicht wegen eines einzigen Fahrers. Und wir kommen auch im nächsten Jahr wieder. Dann vielleicht ohne ihn. Die Verstappen-Erfolgsfans brauchen wir nicht“, sagte uns ein jährlicher Hatzenbach-„Bewohner“ noch in dieser Woche

Zwar wird der Holländer, dem man ein nachlassendes Interesse an der „Königsklasse“ nachsagt, eine Heerschar von Oranje gekleideten Supportern aus den Niederlanden in die Eifel locken. Doch um am Ende als Erste unter der geschwenkten Zielflagge hindurch zu rasen, bedarf es weit mehr als nur eines großen Namens. Titelverteidiger Rowe-BMW geht mit zwei BMW M4 GT3 auf die Jagd nach dem Gesamtsieg. Im Cockpit jeweils ein Aufgebot von Top-Werkspiloten.

Bei Porsche bildet erneut Manthey die Speerspitze und schickt den „Grello“ mit Kévin Estre, Thomas Preining und Ayhancan Güven ins Rennen. Mit gleich zwei DTM-Champions im Auto. Mit Aston Martin, Audi, BMW, Ferrari, Ford, Lamborghini, McLaren, Mercedes-AMG und Porsche sind neun Hersteller in der Topklasse vertreten. Darunter mit Nico Menzel (Kelberg, Porsche) und Thomas Mutsch (Bitburg, Lamborghini), zwei absolute Ausnahme-Piloten.

Das viertägige PS-Festival von Donnerstag bis Sonntag besteht aber nicht nur aus dem Top-Rennen, das am Samstag um 15 Uhr gestartet und eben 24 Stunden später am Sonntag beendet sein wird. So zumindest der Plan. Bereits am Donnerstag gehen die Fahrzeuge zu Trainings und Qualifyings auf die Strecke, eröffnet die Rundstrecken-Challenge das Renn-Wochenende. Die Rennen der Tourenwagen-Legenden am Freitag und Samstag, der zweite Lauf der DHLM am Freitag (16 – 19 Uhr) sind mehr als nur „Füllsel“, sondern bieten phantastischen Rundstrecken-Rennsport.

24h-Rennleiter Walter Hornung fasst alles passend zusammen: „Hier zeigt sich der besondere Geist der Langstrecken-Community an der Nordschleife: Vom Weltstar bis zum Privatpiloten ziehen alle an einem Strang, weil jeder Teil dieses besonderen Rennens sein will.“

Text und Fotos: Charlys Autos