
Eigentlich sind die SUV, angefangen bei den Verbrennern, den Teil-elektrisierten und vollelektrischen Modellen der 30er, 60er und 90er Baureihen eine Domäne des schwedischen Autobauers Volvo. Doch die zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Premium-Marke kann auch anders. Volvo kann auch Limousine, wie wir auf einer ersten kurzen Ausfahrt mit dem neuen Oberklasse-Modell ES90 selbst erfahren durften.

Der ES90 ist Volvos erste vollelektrische Limousine und zeigt, aller derzeitigen Skepsis um den mittelfristigen Umgang mit Antriebsformen zum Trotz, wohin die Reise bei den Schweden gehen wird. Zumindest bei Automobilen wie dieser zwar einladend, aber nicht pompös wirkenden, fünf Meter langen Karosse, die etwas Staatstragendes an sich hat. Weiter in Richtung Komfort, Eleganz, Sicherheit, Raumgefühl nämlich. Und natürlich in die permanente Weiterentwicklung vollelektrischer Antriebstechnik, versteht sich.

Dem Hinterrad-angetriebenen Single Motor Extended Range mit einer 333 PS starken E-Maschine (ab 70.490 Euro bei einer Reichweite von 65o Kilometern nach WLTP) stehen die beiden Allrad-Modelle Twin Motor (456 PS, ab 87.490 Euro, 679 km Reichweite) und Twin Motor Performance (680 PS, ab 92.990 Euro, ebenfalls 679 km Reichweite) gegenüber. Das maximale Drehmoment beträgt 480 Newtonmeter beim RWD-Modell, bei den über beiden Achsen angetriebenen Limousinen sind es 670 und 870 Nm.

Bei allen drei Modellen setzt Volvo auf eine 800-Volt-Technik, die kürzere Ladezeiten verspricht: Die Ladedauer der 92 kWh Batterie beim Hecktriebler und der den jeweils 106 kWh Akkus bei den beiden Allradlern soll 22 Minuten für einen Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent an 350 kW starken Schnellladesäulen in Anspruch nehmen. Das klingt vielversprechend, ist aber auch von Umständen wie etwa einem zweiten Fahrzeug an der Säule abhängig. Allerdings arbeitet der serienmäßige Onboard-Lader nur mit 11 kW. Dass der Akku jedoch vorgeheizt werden kann, optimiert natürlich die Ladeleistung.

Der Fünftürer, elektrischer Nachfolger des S90, zeigt sich eher zurückhaltend mit coolem, nordischem Understatement und konventioneller Linienführung. Da der ES90 auf der SPA2-Plattform des Schwester-Autos EX90 aufbaut, bringt er gewisse SUV-Anleihen wie eine etwas höhere Bodenfreiheit und damit einen bequemeren Einstieg mit. Ein Radstand von 3,10 Metern offeriert ausladende Wohnzimmer-Qualitäten im Inneren vorn wie hinten.

Wie bei den meisten bekannten Volvo-Modellen wird das Cockpit von einem zentralen 14,5-Zoll großen Hochformat-Touchscreen geprägt, über den alle Befehle, also auch etwa Lenkrad- und Spiegelverstellung, ja sogar das Öffnen des Handschuhfachs, laufen. Unabdingbar, dass man sich mit der Menüführung der wichtigsten Funktionen beschäftigt, bevor man losfährt.

Hat man das aber erst einmal gecheckt, ergeben sich manche Anordnungen in dem aufgeräumt wirkenden Fahrer-Blickfeld von selbst. Die notwendigen Informationen für den Umgang mit dem noblen Schweden-Express, der auch Königin Silvia gut zu Gesicht stehen würde, erhält man über zwei Bildschirme und ein Head-Up-Display. Die 5g-Konnektivität sorgt dafür, dass sämtliche Infotainment-Funktionen auf höchstem Level erledigt werden.

Volvo bietet den ES90 in den drei Ausstattungslinien Core, Plus und Ultra an. Wobei in der Single-Motor-Einstiegsversion ab 70.490 Euro bereits Panoramadach, Vierzonen Klimaautomatik, elektrisch einstellbare Fahrersitze mit Memory-Funktion, 20 Zoll große Felgen, und ein 325 Watt starkes Audiosystem eines Premium-Herstellers mit an Bord sind. In der von uns gefahrenen Ultra-Version kommen dann noch ein Head-Up-Display und eine sehr empfehlenswerte Luftfederung dazu. Deren Vorzüge und Auswirkungen heben wir uns für einen späteren ausführlichen Fahrbericht auf.

Text: Charlys Autos / Fotos: Volvo, Christian Bittmann

