
Die Kooperation zwischen Renault und Mitsubishi hat schon des Öfteren erfolgreich Früchte getragen. Jetzt auch zum ersten Mal bei einem reinen Elektroauto. Unser heutiges Testauto, der Mitsubishi Eclipse Cross EV, ist quasi das Familienmitglied des Renault Scénic E-Tech. Im Vergleich zum französischen Pendant hat der große SUV mit den drei Diamanten allerdings den Vorteil einer fünfjährigen Garantie. Deren zwei sind es bei Renault.
Vom früheren Eclipse, der zu seinen Urzeiten einmal ein Sportcoupé war, hat das jetzige 4,49 Meter lange und fast zwei Tonnen wiegende E-SUV Modell keine Gene mehr übernommen. Den aktuellen Eclipse Cross ziert eine wuchtige Frontpartie und er wartet mit Details auf, die modernem Designer-Denken entstammen. Die Türgriffe sind versenkt, springen aber auf, sobald man sich dem Fahrzeug mit dem Schlüssel nähert.

Der Mitsubishi Eclipse Cross verfügt über jede Menge Stauraum. Das gilt für Fahrer und Beifahrer genau wie für die Hinterbänkler, die bequem auf einer dreigeteilten Bank sitzen und sich auch zu dritt nicht über beengten Raum beklagen können. Der Kofferraum fasst mindestens 545 Liter. Klappt man die Rückbank um, kommt man auf bis zu 1670 Liter. Zudem bietet der doppelte Boden mehr Verstau-Möglichen als nur die zwei rund sechs Meter langen Ladekabel unter zu bringen. Die sind übrigens serienmäßig an Bord. Außerdem darf das Elektron-SUV 110 Kilo an den Haken nehmen.
Die für Viele, auch für den Autor, bemerkenswerteste Taste im sehr zurückhaltend und auf Wohlfühl-Ambiente ausgestalteten Innenraum ist ganz oben links aus Sicht des Fahrers angebracht. Mit ihr kann man die beiden nervigsten Assistenz-Systeme, die permanente Warnung vor der Tempo-Überschreitung und den unaufhörlichen Piepser beim Nichteinhalten des Abstandes zu Straßenrand, anderen Fahrzeugen, Fahrrädern etc. schlafen legen. Damit ist dann ein für allemal ruh bis zum Re-Start. Dann muss, nein darf, diese Taste aufs Neue bedient werden und das macht an gerne.

Der Eclipse Cross, das haben wir in dieser Zeit, in der wir mit ihm unterwegs waren, gemerkt, hat echte Langstreckenqualitäten. Der Touchscreen ist leicht zum Fahrer geneigt, die Menüs und Untermenüs erklären sich teilweise selbst, die Sitzposition ist elektrisch einstellbar und wird dann vermerkt. Was besonders wohltuend ist: Der Fahrersitz ist mit einer Massagefunktion ausgestattet. Das macht längere Fahrten mit dem Eclipse Cross zu einem Wohlfühl-Kabinett. Das Fahrwerk mag für den einen oder anderen Geschmack etwas hart eingestellt sein, aber je nach gewähltem Fahrmodus nimmt man das auch unterschiedlich wahr.
Die von uns gefahrene Ausstattungslinie Diamant Top beinhaltet eigentlich alles, was man unter einem vollständig ausgestatteten Fahrzeug versteht. Einparkautomatik, Gesichtserkennung des Fahrers, Google-Internetdienste, 20 Zoll große Leichtmetallräder. Gerade in diesen heißen Sommertagen ist das elektrochrome Glasdach ein wirklicher Wohlfühl-Spender. Wie ein Chamäleon ändert es von durchsichtig bis blickdicht seine Ausführung, wenn man eine entsprechende Taste aktiviert. Der Mitsubishi Eclipse Cross ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, was entstehen kann, wenn zwei verschiedene Autobauer nicht nur konkurrieren, sondern auch kommunizieren.

Was als erstes auffällt bei längeren Strecken: Bei der Reichweite hat Mitsubishi offensichtlich nicht, oder zumindest kaum, geschummelt. Angegeben sind theoretisch 615, wir kamen bei einem Durchschnittsverbrauch auf den verschiedenen Straßenprofilen der Region immerhin auf reale 500 Kilometer. Das ist ein erstaunlicher Wert. Und die Ladeleistung von 150 kW erwies sich an 300er DC Schnellladesäulen, wenn dann kein zweiter BEV Energie abschöpfte, als in der Spitze konstant. Gut eine halbe Stunde braucht er von 20 auf 80 Prozent der Ladekapazität.
Das Fahrverhalten ist mit der Wortschöpfung ausdauernd sportlich am besten beschrieben. Immerhin müssen knapp zwei Tonnen bewegt werden und da geht auch das Überholen auf der Landstraße bei einem angegebenen Wert von 7,9 Sekunden von Null auf 100 problemlos und mit Verve. Da die kräftigen Rekuperationsstärken stufenweise einstellbar sind, gelingt auch das Fahren mit nur einem Pedal. Nimmt man also angesichts einer auf Rot umspringenden Ampel rechtzeitig den Fuß vom Strom, hält der Eclipse Cross ohne zu bremsen genau dort, wo er halten soll.

Was wirklich angenehm ist, das ist das Eliminieren der beiden nervenden Assistenzsysteme (Tempolimit, Spurhalte). Muss zwar bei jedem Neustart gemacht werden, aber das hat man sich ebenso schnell angewöhnt wie das Betätigen des Startknopfes. Da haben wir bei anderen Modellen dieser Marke sogar schon das Eingreifen ins Lenkrad erlebt, und das ist nicht nur nervend, sondern das empfinden wir als gefährlich.
Der Eclipse Cross lässt sich von Quer- oder Längsfugen nicht aus der Ruhe bringen, der Fronttriebler zeigt auch keine übermäßigen Tendenzen zum Untersteuern beim Herausbeschleunigen aus der Kurve. Von Lastwechselreaktionen und ausbrechendem Heck bei voll besetztem Fahrzeug auch keine Spur. Dass bei Tempo 170 Schluss ist, empfindet man nicht als Malus, da der Stromer ohnehin tendenziell mit weniger kräftigem Tritt aufs Gaspedal bewegt wird.

Technische Daten Mitsubishi Eclipse Cross EV
Ausführung: fünfsitziges SUV
L / B / H: 4,49, 1,91, 1,57 Meter
Radstand: 2,78 Meter
Kofferraum: 540 – 1670 Liter
Leergewicht / Zuladung: 1950 / 385 kg
Motor: elektrisch, Reduktionsgetriebe
Antrieb: Front
Systemleistung: 218 PS
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
Batteriekapazität: 87 kWh
Verbrauch (WLTP) 17,5 kWh
Ladeleistung: AC 7,4 22 kW / DC 150 kW
Basispreis Diamant plus: 47.990 Euro

Text und Fotos: Charlys Autos:
