Ralf Schall (57, Mercedes-Benz 190E) ist der erste Meister der neuen Deutschen Historischen Langstreckenmeisterschaft. Beim sogenannten Doubleheader des 1000-km-Rennens am vergangenen Wochenende nutzten den Gebrüdern Georg und Björn Griesemann (Porsche 911 RSR) auch der zweite und dritte Gesamtsieg in vier Rennen nichts, weil sie im ersten Lauf, dem 24h Qualifiers, punktlos geblieben waren.

Kein Rennen in der „Grünen Hölle“ hat eine ähnlich lange und wechselvolle Geschichte wie dieses: Das 1000-km-Rennen birgt so viele Triumphe und so viel Tragik über fast acht Jahrzehnte hinweg und änderte sein Gesicht. Seine Performance aber auch seinen scheinbaren Untergang und seine wunderbare Wiederauferstehung. Auch als Teil und krönender Abschluss der Premierensaison der Deutschen Historischen Langstreckenmeisterschaft (DHLM) am vergangenen Wochenende mit zwei dreistündigen Rennen und einem Lauf der Tourenwagen Golden Ära war das der Fall.
Bei strahlendem Spätsommerwetter am ersten Tag ließen sich unglaublich viele Freunde des historischen Motorsports das Wochenende mit den beiden abschließenden DHLM-Läufen und der Tourenwagen Golden Ära nicht entgehen. Entsprechend war auch die Stimmung bei vielen Piloten.

„Es macht immer wieder unglaublich viel Spaß, hier den alten Fuchsschwanz-Manta ohne Servolenkung und ABS zu fahren. Das ist noch richtiges Handwerk, Motorsport pur, und es ist toll, dass wir damit immer noch die Pace mitgehen können“ war Opel-Legende und GT3-Projekt-Leiter bei Dörr Motorsport; Volker Strycek (68); in der Startaufstellung am Samstag voller Vorfreude.
Genauso ging es Thomas Ostermann, einem Kfz-Meister und Peugeot 205 GTI-Fahrer aus der Region, der in der Youngtimer-Trophy zur Elite gehört. „Klar, ist man vor jedem Rennen etwas nervös, aber das gehört dazu. Die neue Serie ist jedenfalls eine tolle Sache gerade für die Teams mit schmalem Geldbeutel.“

Ein ganz besonderer Sonntag, vor allem für die Technik-Freaks unter den Motorsportfreunden, war der Sonderlauf der Porsche Transaxle-Modelle. Darunter versteht man Fahrzeuge mit einem Frontmotor und dem Getriebe mit Differential an der Hinterachse aus den Jahren 1975 bis 1995. Motor und Getriebe sind durch ein starkes Transaxle-Rohr mit einer mit Motordrehzahl rotierenden Welle verbunden.
Deren Vorteil ist eine gleichmäßige Achslastverteilung, woraus sich ein unkomplizierteres und sichereres Fahrverhalten ergibt. Demzufolge waren bei diesem Einlagelauf in erster Linie Porsche 924 und 928 aus den besagten Jahren am Start. Ein Leckerbissen für die wahren Connaisseurs also.

Am zweiten Renntag war Regenkleidung in der Eifel angesagt. Bevor es mit zunehmender Renndauer sogar ein richtiges „Schmierseife-Rutschen“ wurde. Der lindgrüne „Kümmerling“-Porsche der Gebrüder Björn und Georg Griesemann, dreifacher Gesamtsieger im Premierenjahr der DHLM; war auch dieses Mal eine sportliche Klasse für sich. Der Titel jedoch war, wie erläutert, schon vorher futsch.
Das neue Championat, von den Liebhabern der traditionsreichen alten Rennern mit Begierde aufgesogen, hat mit insgesamt vier über die Saison verteilten Läufen seine Premierensaison mit Bravour absolviert. Stefan Eckhardt und Henning Meyersrenken, die das „Kind“ in die Welt gesetzt haben und auch als Vorwagen der Einführungsrunde und Spitze des Orga-Teams das Gesicht der DHLM bilden, haben ganze Arbeit geleistet. „Fürs erste Jahr“; so Meyersrenken, „sind wir alle sehr zufrieden.“

Und den „Meckerern“; die in diesem Jahr wie gewohnt ein racing über die historische Distanz von 1000 Kilometern vermissten, sei gesagt: Im nächsten Jahr soll es dann auch wieder ein „richtiges“ 1000-km-Rennen über die klassische Distanz geben.

Text: Charly / Fotos: Matthias Elwert, Dennis Weber
