Sie sind, nicht nur, aber vor allem, für die Zeit, in den winterliche Straßenverhältnisse herrschen, wie gemacht: PKW, die eine höhere Bodenfreiheit bei besserer Rundumsicht genießen, bei kompakten Außenmaßen aber größtmögliche räumliche Ausnutzung bieten. Spendiert man einem solchen Fahrzeug dann noch 19 Zentimeter Bodenfreiheit, zwei Elektromotoren mit sagenhaften 429 PS und zwei angetriebene Achsen, dann kommt man dem Auto, mit dem Volvo eine eigene Legende wiederbelebt, schon sehr nahe: Dem EX30 CC nämlich. Wir waren in diesem Jahr im verschneiten Alpen-Vorlad im Salzburger Land damit unterwegs.

Mit dem V70 XC hatten die Schweden vor drei Jahrzehnten schon einmal einen Crossover und die beiden C’s stehen nach wie vor für „Cross Country“, sollen also auf die Offroad-Eigenschaften des kompakten Stromers hinweisen. Dafür genügt schon der erste Blick, der neben der beschriebenen Bodenfreiheit weit ausgestellte Radhäuser und Unterbodenschutz an Front und Heck offeriert.

Hinzu kommen Anbauteile in einem mattschwarzen Ton und modifizierte Schürzen. Unser Testfahrzeug wies außerdem einen Dachträger auf und glänzte als Gimmick mit einer Frontblende, die eine topografische Gravur des Kebnekaise, des höchsten Berg Schwedens, interpretiert.

Wer möchte, erhält optional auch grobstollige 18-Zoll-Räder, für eine nochmals erhöhte Traktion und Geländetauglichkeit. Schmutzfänger und elektrische Anhängerkupplung vervollständigen das Angebot für einen außergewöhnlichen Stromer, den Volvo als eigenständiges Erlebnis interpretiert. Glücklicherweise fiel unser Berichtszeitraum in eine echte Winterphase, die das Abbiegen vom Asphalt auf verschneite kleinere Straßen und Waldwege zu einem wirklichen Vergnügen werden ließ.

Der EX30 CC basiert auf der Top-Ausstattungslinie Ultra des Einstiegs-SUV. Dabei liefern zwei Elektromotoren für beide angetriebene Achsen eine Systemleistung von stolzen 429 PS und ein Drehmoment von 543 Newtonmetern. Die Normreichweite gibt Volvo mit 427 Kilometern an, aber auch hier gilt: Wer auf längeren Autobahnstrecken antizipiert, wird natürlich weiterkommen als diejenigen, die dem Charakter des Fahrzeugs entsprechend, damit ins Gelände gehen. Zieht man zudem All-Terrain-Bereifung auf, so sinkt der Reichweiten-Wert beträchtlich. Um „Kilometer zu fressen“, sind solche Pneus auch nicht gedacht.

Zum Interieur: Ein Platzriese ist der EX30 Cross Country nicht, seine Qualitäten liegen auf den beschrieben Einsatzbereichen. Der Innenraum entspricht der zivileren Version des EX30. Das Cockpit glänzt mit hochwertigen und sehr gut verarbeiteten Top-Materialien, wirkt modern mit nordischer Coolness. Bekannt ist das vertikale, 12,3-Zoll-Touchdisplay mit seiner Google-basierten Informatik-Quelle. Dort werden alle bekannten Funktionen gesteuert. Volvo hat mit Apple Carplay und überarbeiteten Sprachbefehlen noch einmal nachgebessert.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. So stehen ein Mix aus Wolle und Kunstleder ebenso zur Wahl wie recycelter Jeansstoff. Und den Starterknopf sucht man auch vergebens. Eine „magische“ kleine schwarze Schaltzentrale in Händen sorgt nicht nur für Stop and Go, sondern erledigt auch das Öffnen und Schließen der Türen je nach Distanz zum Fahrzeug von ganz alleine. Volvo macht sich, schwedisch halt, die Welt wie sie gefällt. Nur die roten Zöpfe fehlen noch als Option. Heja Sverige!

Bei den Fahreindrücken mit unserem Testwagen möchten wir mit diesem besonderen Fahrzeug vor allem das Verhalten abseits des urbanen Verkehrs und der großen Verbindungsstrecken wiedergeben. Auch angesichts der Vorgaben, dass der EX30 CC kein ausgesprochener Geländewagen sein soll. Eher ein alltagstaugliches Elektroauto mit einer robuster Optik und einem Schuss Abenteuer für Individualisten, die dem Elektroantrieb den Vorzug geben.

Die höhere Karosserie, gepaart mit einer weicheren Dämpferabstimmung führt auch auf teils gefrorenem, teils arg matschigen Boden zu spürbar verbessertem Abrollkomfort Das Auto ist jedoch mehr als nur ein Fake-Offroader mit ein paar Anbauteilen, die den Besitzern eines Mainstream-SUV mit kompakten Außenmaßen eine lange Nase drehen soll. Wir nutzten die Gunst des meist herrlichen Winterwetters, um den Begriff „Cross Country“, so wie ihn Volvo selbst einmal vor drei Jahrzehnten interpretierte, wirklich zu erfahren.

Der EX30 CC erwies sich auch in Schräglagen auf unebenem und manchmal unberechenbarem Terrain als ein sportliches, agiles Auto mit Zug, wenn dies er nötig war. Der ungewöhnliche Schwede erwies sich als stabil in allen Lagen, zeigte auch in Spitzkurven bergauf und bergab kaum Seitenneigung. In Verbindung mit einer direkten Lenkung machten die Ausflüge auf das ungewohnte Terrain einfach Vergnügen. Wenn es dann unter diesen Verhältnissen sein musste, packten auch die Bremsen kompromisslos zu. Dass das Stabi-Programm relativ früh eingreift, ist wohl auch der schwedischen Sicherheits-Philosophie geschuldet.
Ein Satz noch zur leistungsstarken Antriebseinheit: Da kommt auch auf längeren Strecken sportliche Dynamik auf, das Auto fährt sich unter diesen Umständen kraftvoll komfortabel wie eine Großraumlimousine. Insgesamt ist Volvo mit diesem Cross Country Stromer ein sehens- und fahrenswerter Mix aus Design, Leistung, Lifestyle und Abenteuer gelungen.

Technische Daten Volvo EX30 Twin Motor
Ausführung: fünfsitziger SUV
L / B /H: 4,23 / 1,56 / 1,95 Meter
Radstand: 2,65 Meter
Leergewicht: 1960 kg
Kofferraum (Frunk): 318 (7) Liter
Max. Anhängergewicht: 1600 / 750 kg (gebremst, ungebremst)
Max. Stützlast: 100 kg
Bodenfreiheit 19 Zentimeter
Batterie: (netto) 69 kWh (65)
Ladezeit DC Gleichstrom: 175 kW / 50 kW (10 – 80 %, 26 -56 Minuten)
Leistung Frontmotor: 156 PS bei 6.000 – 6.500 min
Leistung Heckmotor: 272 PS bei 6.500 – 8.000 min
Antrieb: Allrad
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Preis / Testwagenpreis: 57.290 / 61.330 Euro

Text und Fotos: Charlys Autos
