Noblesse oblige: Unterwegs im DS N°8 Jules Verne

Große, komfortable Limousinen von den Autobauern unseres westlichen Nachbarlandes gehörten über Jahre und Jahrzehnte hinweg zum Erscheinungsbild auf den Straßen der Region. Schon der damalige Präsident Charles de Gaulle reiste 1964 zur Eröffnung der Mosel als Großschifffahrtsstraße in einer DS an. Luxus, Komfort. Stil, Extravaganz: Das waren die Attribute, mit denen seit mehr als einem halben Jahrhundert automobile Erscheinungen wie der Renault Safrane, der Peugeot 508, der Citroën CX oder vor noch gar nicht langer Zeit der DS 9 bei den Liebhabern französischer Autos punkteten.

Jetzt hat die Premiummarke DS Automobiles im Oberklassen-Segment offensichtlich ein Fahrzeug ins Rennen um die Gunst der Nachfolge französischer Luxus-Limousinen geschickt, das Pariser Chic, Nachhaltigkeit, modernste Kommunikation und präsidialen Wohlfühl-Charakter miteinander verbindet: Den DS No.8, ein reines Elektrofahrzeug. Wir unternahmen eine erste Testfahrt.

Der Name DS ist eine Hommage an die einstige Design-Ikone „la déesse“, die „Göttin“, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert. Demzufolge ist der DS N0.8 ein bewusst ins Leben gerufenes Gegenstück zum Mainstream, der unsere Straßen im Allgemeinen bevölkert. Die klassischen Komforttugenden der Staatstragenden französischen Automobile wurden in dieser langgestreckten Coupé-Limousine mit modernster Technik auf höchstem Niveau bei der Auswahl und Verarbeitung von Materialien und Ausstattungen kombiniert. Und das auf einem Preislevel, das im Vergleich zu ähnlich konzipierten Konkurrenten höchst akzeptabel ist.

Der DS N0.8 hat, blicken wir einmal etwas gewagt in die Zukunft, das Zeug zu einer Design-Ikone. Der illuminierte Kühlergrill und das auffällige LED-Leuchtband am Heck kleiden ein Design-Statement mit extrem flacher Dachlinie und versteckten Türgriffen auffallend unauffällig ein. In einem solchen Fahrzeug hätte man sich zu ihrer Zeit auch eine Romy Schneider oder einen Alain Delon bei den Filmfestspielen in Cannes vorstellen können. Kein Wunder, taucht man doch in diesem Sprössling der automobilen französischen Handwerkskunst in eine Welt bewusst ausgewählten Stils, der nicht aufgesetzt wirkt, ein. Mehr als nur ein Hauch von Vogue. Das IST Vogue. Alles ist auf Komfort ausgerichtet: Massagesitze, Sitzbelüftung, echte Tasten statt der faden und kalten Touchscreen-Welt. Dazu ein individuell einstellbares, konfigurierbares Display. Farblich individualisierbar.

Wir waren in der DS N0.8 Sonderedition “Jules Verne“ unterwegs. Und in dessen berühmten Science-fiction-Romanen war ja bekanntlich das Unvorstellbare, das Außergewöhnliche und Abstrakte an der Tagesordnung. So auch in diesem Fall In der Jules-Verne-Ausgabe der Moderne ist es besonders kunstvoll geworden. Mit implizierten Intarsien, kunstvollen Perlen-Stickereien. Dazu lasergeschnittene Alcantara.-Flächen.

Bei so viel Schönheit sollte man den Nutzwert allerdings nicht vergessen. Der ist beim Kofferraum mit 620 Litern akzeptabel für eine Limousine mit Coupé-Charakter. Die fallende Dachlinie, so schmeichelnd sie für das Auge auch ist, hat jedoch auch ihre Schwächen. Alles über 1,85 zieht im Fond automatisch den Kopf ein. Sollte man zumindest. Und der niedrige Türausschnitt ist nicht gerade zum flotten Hineinspringen in den Fond geeignet. Merke: Nicht nur wer schön ist, sondern auch wer Schönheit in ihrer reinsten automobilen Form genießen möchte, muss halt leiden. Ein wenig jedenfalls.

Anstelle der Fahreindrücke in der DS N0. 8 Sonderedition „Jules Verne“ sollten wir vielleicht eher von Gleiteindrücken sprechen. Das käme der Art der Vorwärtsbewegung dieser Reiselimousine bedeutend näher. Denn selbst im optionalen Sportmodus, der das Fahrwerk um einen Hauch straffer werden lässt, haben sich die Entwickler mit Erfolg darum bemüht, den präsidialen Charakter bei zu behalten. Zwar wirkt die Lenkung etwas direkter, der Antritt zügiger. Ein Kurvenräuber aber wird aus der präsidialen Limousine nicht. Stand so auch nicht im Lastenheft der Entwickler.

Die Sonderedition wartet zudem mit einem optional erhältlichen Fahrwerk auf, das den Asphalt Kamera-basiert scannt und auf etwaige Unebenheiten reagiert. In der Langstreckenversion als 245 PS starker Fronttriebler glänzt der Elektro-Schönling laut Hersteller mit einer Reichweiter nach WLTP von 692 Kilometern. Als Allradler (345 PS) sollen es immer noch deren 650 sein. Was realistisch ist, darüber können wir uns nach einer knapp zweistündigen ersten Ausfahrt kein Urteil erlauben.

Immerhin pendelte sich unser Verbrauch bei 18 kWh / 100 km ein. Durchaus anständig für ein 2,2-Tonnen-Fahrzeug. Vom Feinsten ist die Akustik: Perfekt gedämmt, in schmeichelndes Alcantara eingetaucht, sind die Insassen bereit für ein Sinfonie-Konzert im hochwertigen Focal-Soundsystem. Was wir nicht erfahren konnten, was uns aber der Blick in die Unterlagen verrät: DS gibt die Abgabe am Schnellader mit 160 kW an. Vorausgesetzt, der Spender liefert konstante Leistungen. Anstelle von steilen, aber kurzen Leistungsspitzen, soll die Ladeleistung anhaltend stabil bleiben. Serienmäßig dreiphasig mit 11kW erfolgt das Wechselstromladen. Ein optionales 22-kW-Modul ist angekündigt.

Noch etwas zu den Preisen: Die Liste beginnt bei 57.700 Euro im Kreis der drei Antriebsvarianten. Was immer dann dazu kommen mag, und das ist eine ganze Menge, dafür darf man dann noch einmal ordentlich ins Portemonnaie greifen. Was bei vergleichbaren Wettbewerbern aber nicht anders ist. Die Sonderedition Jules Verne ist ab 77.000 Euro zu haben. Wer es also in diesen Kategorien einmal ganz extravagant und ausgefallen haben will, der sollte – frei nach Jules Verne – die Reise zwar nicht zum Mittelpunkt der Erde, aber zum nächsten Händler antreten. Adel verpflichtet halt, oder im Französischen: Noblesse oblige!

Text: Charlys Autos – Fotos: Dani Heye, Charlys Autos