
Stromer löst Verbrenner ab: Das gab es bei Mazda bisher noch nie. Wird aber jetzt beim Mazda 6e der Fall sein, der das konventionell angetriebene Modell in den Ruhestand schickt. Zwei Fakten erscheinen uns dabei erwähnenswert. Zum Einen: Der von uns wegen seiner Innovationsfähigkeit und seines Mutes, eigene Wege bei der Antriebs-Konzeption zu gehen, oft gelobte japanische Autobauer wird diesen Weg auch in Zukunft beibehalten. Vollelektrisch angetriebene Modelle ja. Aber nicht um den (zu hohen) Preis, Weiterentwicklung innermotorischer Maßnahmen beim Verbrenner zu vernachlässigen.

Nummer zwei ist eher optischer Natur und auch ein wenig beruhigend. Zumindest aus unserer Sicht: Die Auto-Welt wird auch in Zukunft nicht nur aus SUV aller Größen und Formen, sondern auch aus elegant und schön geschnittenen Limousinen bestehen. Egal, auf welchem Weg die Leistung generiert wird. Mazda wird seiner neuen Stromer-Limousine mit leichten Coupé-Charakter übrigens keine Kombi-Version wie beim Verbrenner zur Seite stellen. Der Kofferraum des neuen BEV ist mit 466 bis 1077 Litern allerdings auch üppig genug, um für den Familien-Ausflug Vorsorge zu treffen. In Ordnung ist auch die Anhängelast mit bis zu 1500 Kilogramm.

Und damit wären wir auch schon bei der „Konfektionsgröße“ des Mazda 6e. Mit einer stattlichen Länge von 4,92 Metern reiht er sich bei Konkurrenten wie dem VW ID.7 oder dem Audi A6 sportback e-tron ein. Das aber bei vollkommen anderen Preisvorstellungen. Den neuen Mazda-Stromer, der in zwie verschiedenen Versionen mit unterschiedlichen Batterie-Größen erhältlich sein wird, gibt es ab 44.900 Euro. Die Einstiegsvariante mit 258 PS hat eine Lithium-Eisen-Phosphat Batterie mit 68,8 kWh Kapazität. Ab 46.500 Euro gibt es eine Long-Range-Ausführung mit einem Nickel-Kobalt-Mangan-Akku und 80 kWh Energie. Daraus werden 245 PS generiert.

An einer Schnellladestation zieht die Basisversion mit ordentlichen 165 kW den Strom an einer DC-Säule. 24 Minuten dauert es, bis aus zehn wieder 80 Prozent Ladestand geworden sind. Dagegen ist die Ladeleistung bei der Long Range Ausführung mit 90 kW bedeutend geringer. Folglich dauert der gleiche Ladevorgang dort bis zu 47 Minuten. Mazda gibt die Reichweiter beim Einstiegs-Stromer mit 479 Kilometern an. Mit dem zweiten Modell soll man angeblich 73 Kilometer weiterkommen. Mit 552 Kilometern also eigentlich kein bedeutender Unterschied. Beide Versionen werden über die Hinterräder angetrieben und sind bis zu 175 km/h schnell.

Das Interieur der chic geschnittenen Limousine gefällt mit großzügigen Dimensionen und viel Platz für die Insassen hinten wie vorn. Der Bildschirm des Multimedia-Systems fällt mit 14,6 Zoll üppig aus. Dorthin wurde übrigens auch die Funktion des Heckscheibenwischers statt eines gewohnten Hebels gelegt. Auch die Außenspiegel lassen sich nur in einem Untermenü des Touchscreens verstellen. In den Monitor sind auch die Klima-Funktionen integriert. Alles eine Folge des Umstandes, dass auf klassische Drehregler oder Schalter verzichtet wurde.

Der Mazda 6e ist trotz des Preisvorteils gegenüber etwa dem VW ID.7 (54.105 Euro) sehr umfangreich ausgestattet. Zur Einstiegsversion gehören nicht nur ein Sony-Soundsystem, ein Panorama-Glasdach, zahlreiche Assistenzsysteme und ein Head-Up-Display. Auch die Sprach- und Gestensteuerung für Audio und Telefon fällt unter diesen Bonus. Im Segment der vollelektrischen Mittelklasse hat Mazda unserer Meinung nach damit ein echtes As aus dem Ärmel gezogen. Der zweite Stromer soll noch Ende des Jahres folgen.

Kreiskolbenmotor, Diesel mit großvolumigem Hubraum, Sky-active, Range Extender: Wo auch immer es galt, dem automobilen Mainstream eine lange Nase zu zeigen, waren die Jungs aus Hiroshima dabei: Mazda war alles. Außer gewöhnlich. Denn auch die neue vollelektrische Mittelklasse-Limousine, die den auch als Kombi angebotenen Vorgänger ablösen wird, hat Mazdas Prinzip, alles auf den Prüfstand und in Frage zu stellen, nicht ins „wankeln“ gebracht.

Dass dieser authentische Japaner bei allem was er angeht, etwas mehr um die Ecke denken als Andere wird auch bei der Installation des Vollelektrikers 6e deutlich. Der 6er war (ist) ein betriebswirtschaftlicher Eckpfeiler des Mazda-Modellprogramms. Und den völlig um zu krempeln, bedarf schon einer wohl überlegten, antizipierenden Vorgehensweise. Da man sich mit dieser Form des Antriebs, der anderswo als Evangelium heruntergerasselt wird, bisher schwer getan hat, war man sich auch einer klugen Expertise nicht zu schade.

Der Mazda 6e wurde demzufolge gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer Changan entwickelt. Und ist auch bei der Kooperation mit einem externen Partner seinem Kodo Design-Konzept treu geblieben. Dessen DNA ist eine gelungene Mischung aus Eleganz und Funktionalität, die auch bei der Schnittführung des 6e auf den ersten Blick sichtbar wird. „Authentic modern“ nennt der Hersteller selbst diesen Ansatz. Und daher, sonst wäre es nicht Mazda, ist man auch in Details ein wenig selbstverliebter bei der Ausgestaltung als der Wettbewerb.

So dominiert an der Front der leuchtende Mazda „Signature-Wing“ mit einer dynamischen Beleuchtung. Beim „Strom fassen“ wird dabei der aktuelle Ladestatus angezeigt. Zwar optisch nur ein Gimmick, aber eines mit informativem Mehrwert. In diese Kategorie fällt auch der ab Tempo 90 automatisch ausfahrende Heckspoiler. Über dessen auffallenden Glanz und Gloria mag sich der Betrachter streiten. Der Aerodynamik dürfte er auf jeden Fall zuträglich sein. Und dokumentiert damit wieder einmal die Denk- und Vorgehensweise im Haus. Was schert uns, was andere machen. Und dann gibt es auch noch die erlesene Anmut in der Vielfalt der höchsten Ausstattungsstufe: Natürlich wieder mit eigenem Namensschild versehen: „Takumi-plus.“ Merke: Auch beim 6e bleibt vieles, wenn nicht gar alles, Mazda. Alles bleibt anders.

Text: Charlys Autos / Fotos: Harald Dawo (2), Charlys Autos
