Huyndai Kona Elektro N-Line: Geboren auf der Nordschleife

Kleine, batteriebetriebene Elektro-SUV bestimmen immer häufiger das Straßenbild. Nicht nur in Großstädten mit einigen Hunderttausend Bewohnern, sondern auch bei uns in Eifel, Hunsrück, an der Mosel und an der Saar. Der Hyundai Kona gehört zu dieser Gattung, die Koreaner führten ihn 2018 als Kona EV ein. Was für den Hersteller damals keine leichte Aufgabe war, denn mit konventionellem Antrieb war der Kleine einer der Bestseller in der Modellpalette des Hauses. Und da sollte der batterieelektrisch angetriebene Nachfolger in der Gunst der Käuferinnen und Käufer natürlich nicht nachstehen.

Wir fuhren das kompakte SUV jetzt jetzt in der Ausstattungsvariante N-Line. Ein Buchstabe, der  schon eines verrät: Es wird sportlich zugehen, denn in der Nomenklatur der Koreaner steht das N für mehrere Fakten, unter anderem auch für Nürburgring. Oder auch für Nordschleife. Denn dort ist die erprobungstechnische Heimat der N-Modelle. Gleich, auf welchem Weg sie angetrieben werden.

Neben den beiden Elektrovarianten mit 156 und – wie in unserem Falle – mit 218 PS, gibt es den Kona auch noch als  1.6 T-GDi und mit dem Hybridantrieb (1.6 GDi). Das Drehmoment von 255 Newtonmetern ist beiden Stromern zu eigen. Während der kleinere Antrieb auf eine Batterie mit 48.4 kWh vertraut, nutzt unser Testwagen mit der stärkeren Motorisierung einen 65,4-Akku (Netto-Kapazität).  Der Hersteller gibt dafür eine Reichweite nach WLTP von 514 Kilometern an.

Der erste Eindruck, den ein Fahrzeug hinterlässt, ist jedoch nicht das, was sich unter der Haube abspielt, sondern, was dem Betrachter und der Betrachterin ins Auge fällt. Und dabei haben die Koreaner der sportlichen Variante ihres erfolgreichen Elektro-SUV`s gleich eine ganze Reihe von passenden Gimmicks mit auf den Asphalt gegeben. Wie etwa neben den überdimensionalen Radhäusern und den auffallenden Karosserie-Einzelteilen noch Seitenschweller in Wagenfarbe, exklusive 19-Zoll-Leichtmetallfelgen, neue Stoßfänger vorne und hinten. Und, damit auch jeder genau weiß, um was es sich bei diesem Fahrzeug handelt, eine dezente N Line Plakette. Nicht überladen, aber stilvoll. Hinzu kommen eine Effizienz-steigernde Wärmepumpe, Einparkhilfe rundum, Rückfahrkamera, voll LED-Scheinwerfer sowie Sitz- und Lenkradheizung.

SUV-typisch bietet er trotz der kompakten Abmessungen im Innenraum viel Platz, überzeugt mit einer guten Rundumsicht, verzichtet aber – zumindest in der von uns gefahrenen N-Line – auf die höhere Sitzposition. Ebenfalls serienmäßig ist in der sportiven N-Line Ausführung des Hyundai Kona ein  12,3 Zoll großes Touchdisplay mitsamt Android Auto und Apple CarPlay Funktionen. Sehr praktisch ist die Verknüpfung mit der Bluelink-Smartphone-App, wenn es um die Planung der Ladestationen bei einer größeren Reise oder der Vorklimatisierung geht.

Ungewöhnlich ist die Lademöglichkeit an der Front des Fahrzeugs. Damit fällt das rückwärtige Einparken etwa an 300-kW-Ladesäulen entlang der Autobahn weg. Denn auch dort lassen die Besitzer von BEV beim Energie Nachfassen nicht immer die notwendige Sorgfalt walten, wenn es ans Anfahren der Ladesäule geht. Trotz des dort in der Regel üppigen Parkraums schaffen es einige Stormer-Fahrer und Fahrerinnen oft, ihr Fahrzeug fast quer statt längs für den Ladevorgang ab zu stellen. Will man die Ladesäule danach verlassen, ist das beim Zurücksetzen auch dank des Querverkehrswarners kein Problem.

Wo wir schon beim Laden sind: Im zweiwöchigen Fahrbetrieb, den wir größtenteils auf Land-und Kreisstraßen in der Region absolvierten, ergab sich ja nach Streckenprofil  ein Verbrauch von 16,7 bis  18,5 kW für 100 km. Das dürfte ungefähr auf eine praktikable Reichweite von maximal 380 Kilometern hinauslaufen.

Erst vor kurzem hat Hyundai die technischen Daten für den Ioniq6 N in einer Pressmitteilung bekannt gegeben. Soweit sind wir beim Kona N natürlich nicht, kommen wir auch nicht hin, weil die Aufgabenstellung eine andere ist. Beide Modelle unterstreichen jedoch, dass es dem Autobauer wichtig ist, seine Kompetenzen in punkto Elektromobilität und Fahrspaß zu bündeln. Was sich auch beim Frontgetriebenen Kona N bemerkbar macht. Immerhin hat man nicht umsonst gegenüber der Döttinger Höhe ein eigenes Entwicklungszentrum errichtet.

Die Gelegenheit, mit dem Kona Elektro N mal eine Runde über seine „Wiege“ in der Eifel zu drehen, ergab sich leider nicht. Doch die vielen kurvigen Land- und Kreisstraßen mit ihrer Auf- und Ab-Topographie bei uns unterstrichen nachhaltig, dass Korea der Spagat zwischen Kompakt-SUV mit viel Innenraum, akzeptablem Verbrauch und illustrem Fahrvergnügen auf den 19-Zöllern wieder einmal gelungen ist. Die „N“-Varianten in der Modellpalette des Hauses, seien es nun Verbrenner oder BEV, haben ihrem Anspruch noch immer alle Ehre gemacht. Und das ist auch in diesem Fall mit dem kraftvoll einsetzenden Drehmoment quasi aus dem Stand heraus nicht anders.

Was allerdings ziemlich nervt beim Kona Elektro N-Line, sind die mittlerweile gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheits-Systeme. Die Art und Weise, wie Selbige nicht nur warnen, sondern auch ins Fahrgeschehen eingreifen, ist einfach übertrieben. So, als wolle man in Brüssel vorstellig werden und sagen: „Guckt mal, haben wir unsere Hausaufgaben nicht prima gemacht?“ Gott sei Dank lassen sich die eigentlich ja durchaus zweckmäßig und hilfreich erscheinenden „Assis“ jedes Mal vor Fahrtantritt abschalten. Ist etwas „tricky“, bis man es raus hat, macht man aber des lieben Frieden willens und wegen des Abstellens des Dauergebimmels im Auto gerne.

Fronttriebler-typisch neigt auch das Stromer-SUV etwas zum Übersteuern, doch greift hier die stabilisierende Technik nicht im gleichen rüden Ton mit dem „Holzhammer“ ein wie das die Kollegen aus der „Abteilung Pieps“ machen. Unser Fazit: Hyundai hat in der Ausführung N-Line mit dem Kona Elektro einen kompakten Stromer auf die Räder gestellt, der Laune macht und Alltagsqualitäten mitbringt. Dass Stromer kein Schnäppchen sind, ist mittlerweile bekannt. Für wen Leasing eher ein Thema ist: Ab 289 Euro ist man dabei.

Text; Charlys Autos / Fotos: Hyundai