Frisch geliftet, chic gemacht: Was bietet der Kia Sorento jetzt?

Der Anteil sogenannter Sport Utility Vehicles (SUV) an allen Neuzulassungen ist im vergangenen Jahr laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) auf 30,1 Prozent gestiegen. Die 855.678 in diesem Zeitraum erstmals angemeldeten Fahrzeuge dieser Gattung erreichen damit einen höheren Anteil an allen Kompakt-, Mittel- und Oberklasseautos zusammengenommen (851.151). Mit dem Sorento geht Kia in die „Upper class“ dieser Fahrzeuggattung. Mit dem allradgetriebenen 2,2 Liter großen Diesel bieten die Koreaner ein – nicht nur, von den Ausmaßen her – außergewöhnliches Fahrzeug an. Wir waren über 2000 Kilometer damit unterwegs.

Das ist schon eine mächtige Erscheinung auf den ersten Blick: Ein Auto, das viel verspricht, vor allem jede Menge Raum für Mensch und Material. Kia hat in dieses Auto, dessen Name Assoziationen wie  Sonne und unbeschwertes Urlaubsdasein hervorrufen, so ziemlich alles hineingepackt, was der koreanische Autobauer derzeit an optischer Wucht, an Fahrkomfort, an Platz, Platz und nochmals Platz  an aktiven wie passiven Sicherheitssystem, aber auch an Nachhaltigkeit bei einem Fahrzeug mit konventioneller Antriebstechnik zu bieten hat.

Das beginnt schon mit der überdimensionalen hohen Motorhaube und endet nach einem langen schweifenden Blick in 4,82 Metern Länge, die ein Versprechen an die Lademeister-Fähigkeiten dieses Dickschiffs sind. Und Im Innenraum hat man die Qual der Wahl bei den Sitz-Konfigurationen: Da statt der mittleren Sitzbank auch zwei einzelne Sitze angeboten werden, kann die Familie oder die Reisegruppe zwischen den Bedürfnissen für Mensch und Material abwägen: Vier, sechs oder sieben Sitze.

Und der eventuell frei gewordene Raum kann sinnvoll für die Justierung der Business-Limousine veranschlagt werden. Zum elitären Reisen wird es im Kia Sorento in der „Platinum“-Version, wenn man die Vordersitze nicht nur belüften und sich den Rücken massieren lassen kann. Nach einem leichten Knopfdruck werden die Sitze in eine leichte Liegeposition dirigiert. Das ist dann wie im Flieger ein Upgrade in die Business-Class.

Ja nach Konfiguration schrumpft oder wächst der Platz fürs Notwendige an Bord bei längeren Fahrten. Als Sechs- oder Siebensitzer bleiben noch 179 Liter übrig. 687 Liter plus ein 100 Liter großes Staufach bleiben bis zur zweiten Sitzreihe übrig. Und reist man nur zu zweit, mutiert der Sorento gar mit etwas über 2000 Litern Stauraum zum Umzugs-Auto.

Der Sorento ist mit jede Menge Kameras und Sensoren für Sicherheit und Komfort ausgestattet. Die sind vor allem, wenn man sich durch den blechernen Dschungel quälen muss, willkommene Hilfe. Blinkt man, um die Fahrspur zu wechseln, erübrigt sich der Blick in der Rückspiegel, weil das Bild via Kamera angezeigt wird. Wenn sich von hinten Radfahrer oder E-Roller nähen, ist das ein sinnvolles Sicherheits-Feature. Sensoren warnen bei unvorsichtigen Richtungswechseln oder beim rückwärtigen Ausparken vor Querverkehr.

Und wenn man bei Rot an der Ampel, was man nicht sollte, aufs Handy blickt, sagt ein elektronisches Heinzelmännchen, wenn sich vorne die Kolonne wieder in Bewegung setzt. Elektronische Unterstützung gibt es auch, damit auf feuchtem Untergrund keines der Räder seine Haftung verliert. Was besonders wichtig ist, wenn noch ein Pferde-Anhänger oder etwas Ähnliches gezogen wird. Die ersetzen dann Differenzial oder Untersetzungsgetriebe.

Unser Fazit: Der Kia Sorento (mehr zu Motor und Fahreindrücken im nebenstehenden Text) beinhaltet alle technischen Möglichkeiten eines überdimensionalen SUV. Die Sicherheitsausstattung hat höchsten Standard und die Version „Platinum“ bietet ein Firstclass-Angebot bei einem ausgewogenen Preis/Leistungs-Niveau.

Der 2,2 Liter große Dieselmotor im Kia Sorento offenbart jene Vorzüge und Merkmale, die man von einem Selbstzünder erwartet: Nicht gerade spritzig, aber im unteren Drehzahlbereich konstant arbeitend und genügsam. 440 Newtonmeter und 194 PS sorgen zwar auch dafür, dass man bei Überholvorgängen oder an der Ampel für einen kurzen Moment schnell auf Touren kommt. Seine Top-Qualitäten liegen mit einem ausgewogenen Fahrwerk, das alle Quer- und Längsrillen unmerklich schluckt, aber eindeutig bei langen Autobahnfahrten.

Zwei Tonnen sind für ein derart wuchtiges Auto, das zudem noch 2,5 Tonnen auf den Haken nehmen kann, eher wenig. Und das rasch schaltende Doppelkupplungs-Getriebe, das seine Arbeit kaum spürbar, aber immer genauestens justiert, verrichtet, sorgt für rasche Gangwechsel und ein entspanntes Dahingleiten. Viele Gänge, acht in diesem Fall, ergeben einen geringen Verbrauch: Eine These, die sich beim Sorento mit dem 2,2 Liter großen Diesel erfüllt.

Natürlich soll er kein Kurvenräuber sein, ist er auch nicht, der Sorento. Gewicht, Höhe und Länge hindern aber nicht an einem zügigen und dennoch kultivierten Vorwärtskommen abseits der Autobahn ohne störendes Aufschaukeln. Der Turbodiesel, (daneben gibt es noch einen Vollhybriden und einen Plug-In), erscheint uns als geeigneter Energiespender für ein Fahrzeug mit diesen Charakteristika.  Sowohl der Durchzug wie auch die Höchstgeschwindigkeit lassen kaum Wünsche offen. Und der durchschnittliche Verbrauch von 6,7 Litern Dieselkraftstoff auf 100 Kilometern nach rund zweieinhalbtausend Kilometern verdient das Prädikat Sparsamkeit.

Und auch, wenn man mal etwas abseits asphaltierter Straßen unterwegs ist, sorgen der Antrieb beider Achsen und elektronische Unterstützung anstelle von Differenzial und Untersetzungsgetriebe dafür, dass keine Panik aufkommt. Auch mit Boot oder Pferdeanhänger am Haken muss einen Mut und Zuversicht nicht verlassen. Dass die zuweilen etwas komplizierte Menüführung da noch Luft nach oben aufweist, lässt sich angesichts des Gesamtpakets verschmerzen.

Text: Charlys Autos / Fotos: art-pic