
Cabriolets waren mal so etwas wie die erholsame Spielwiese vieler Autofahrerinnen und Autofahrer: Sommer, Sonne, Dach auf, Frischluft und Mucke aus den Boxen im Innenraum. Oben ohne war cool, geil und angesagt. Bei Neueinsteigern und Silveragern, die sich verdientermaßen den Wind um die Nase wehen ließen. Die Auswahl war groß: Es gab welche mit Stoffdach, es gab CC (Coupé-Cabriolets). Es gab preisgünstige kleine Zweisitzer nach dem Vorbild englischer Roadster. Und es gab voluminöse, luxuriöse Viersitzer. Und (fast) jedes Jahr kam Nachschub von den Bändern. Und heute? Alles nur noch SUV oder was? Nicht ganz. Wir waren zwei Wochen mit dem facegelifteten VW T-Roc Cabriolet 1.5 TSFI in der Region unterwegs.

Wenn wir ehrlich sein wollen: So ein bisschen SUV-Feeling verbreitet der offene Wolfsburger schon. Ist ja eigentlich nichts anderes als eine „aufgeschnittene“ Karosserie-Variante des mittlerweile zum Butter-und-Brot-Auto gewordenen Sports Utility Vehicle auf unseren Straßen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mancher interessierte Beobachter auf den ersten Blick immer noch ein Golf-Cabriolet zu erkennen glaubt. Das aber schläft schon ein paar Jahre den Schlaf des (Un)gerechten. Bliebt unsereinem nur der Hinweis: „Nein, das ist kein Golf Cabrio. Das gibt es nicht mehr.“

Vor allem dann, wenn man ihm die Mütze aufsetzt. Die erhöhte Sitzposition ist gegeben, mit der besseren Rundumsicht ist es in der geschlossenen Variante allerdings nicht weit her. Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Das Auto soll ja nun mal in erster Linie ein fun-factor-Auto sein. Und wenn wir schon beim fun, also beim Spaß, anfangen, machen wir da auch gleich weiter. Mit dem 7-Gang-DSG bietet der 150 PS starke direkt einspritzende Vierzylinder Anlass genug, die vielen kleinen winkligen Sträßchen in Eifel, Hunsrück, an der Mosel, der Sauer, der Nahe und der Saar einmal in Augenschein zu nehmen. Die 150 Pferde unter der Motorhaube sind allemal ausreichend. Da macht das Cruisen Spaß, ohne dass aus dem T-Roc direkt ein Kurvenräuber wird.

Facegeliftet ist der T-Roc dem Golf ähnlicher geworden. Dazu gehören der neue Grill mit serienmäßigen LED-Scheinwerfern und einer (optionalen) Lichtleiste. Die schwarz lackierten 19-Zoll-Räder werten die Ausstattung R-Line auf. Das macht alles trotz der hoch ausfallenden Karosserie noch einen sportlich-eleganten Eindruck.

Im Interieur gefällt ein 10,25 Zoll großes Digital-Cockpit, das aus dem Golf bekannte Multifunktionslenkrad und die in Wagenfarbe lackierten Blenden in der Instrumententafel. Im Vergleich zum aktuellen Golf ist alles ein wenig spartanischer, aber keine billige „Plaste“. Als Viersitzer propagiert, ist hinten naturgemäß etwas weniger Platz, aber diesen Malus können die wenigsten offenen Fahrzeuge in diesem Segment ablegen. Für zwei Personen aber reicht das T-Roc Cabriolet allemal, um mehr als nur ein erholsames Sommer-Wochenende zu verbringen.

Der Kofferraum ist zwar wie bei ähnlichen Varianten, von denen immer weniger neu auf den Markt kommen, nicht gerade üppig. Aber als Familienauto ist der T-Roc als offene Variante ja auch nicht gedacht. Und das Angebot an Alltags-Tauglichkeit in punkto Platz für die Insassen, dem Unterbringen leichter Gepäckstücke, allemal. Die Kofferraumkante könnte, der Bequemlichkeit dienend, etwas niedriger ausfallen. Aber das ist kein Kriterium, das für oder gegen den Kauf eines Alltagsautos spricht, das Komfort, Spaß und Nerven schonende Alltagsfahrten assoziiert.

Cabriolets sind Autos fürs entspannte Gleiten. Das ist auch bei dem 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 150 PS des T-Roc der Fall. Das 7-Gang-DSG legt zwar ab und zu eine kurze Gedenkpause ein, doch mit dem Sprint von 9,4 Sekunden von Null auf 100 und einer V-Max von 203 km/h ist er ausreichend für das offene Fahrvergnügen motorisiert. Wohltuender und Spritsparender Nebeneffekt, der auch noch im Display angezeigt wird. Unter Teillast kann der Turbobenziner zwei Zylinder stilllegen, was man auch beim Tanken spürt. Die von VW angegebenen 6,4 Liter für 100 Kilometer haben wir fast auf die Kommastelle in zwei Wochen bestätigt.

Der Wagen fährt sich wohltuend verwindungssteif, federt dennoch spontan auf einem Fahrwerk, das VW in Richtung Sportlichkeit ausgelegt hat. Wolfsburg hat dem T-Roc Cabriolet eine Menge aktiver und passiver Sicherheitsvorkehrungen mit auf die Frischluft-Landpartie gegeben. Dazu gehören unter anderem Versteifungen im Frontscheibenrahmen. Sollte es wirklich einmal zum „worst case“, einem Überschlag, kommen, schießen in Sekundenbruchteilen zwei schützende Stahlplatten hinter den Kopfstützen im Fond aus der Versenkung.

Ebensowenig mangelt es an Fahrassistenten, die zwar mitunter optionaler Teil der Ausstattung sind. Zur Serienausstattung gehören allerdings Front Assist inklusive Kollisionswarner, City-Notbremse, Insassenschutzsystem und Fußgängererkennung. Das serienmäßige Spurhaltesystem Lane Assist kann man gegen Aufpreis zum Travel Assist mit Lenk-, Brems- und Beschleunigungsfunktionen sowie der vorausschauende Tempo- und Distanzregelung optimieren. In der immer überschaubarer werdenden Welt neuer Cabriolets bietet der T-Roc eine feine Mischung aus offenem Fahrvergnügen und Alltagsqualitäten.

Technische Daten VW T-Roc Cabriolet 1.5 TSFI
Ausführung: viersitziges Cabriolet
L / B / H: 4,29 / 1,81 /1,53 Meter
Radstand: 2,63 Meter
Kofferraumvolumen: 320-1290 Liter
Leergewicht / Zuladung: 1546 kg /. 364 kg
Motor: direkt einspr. Vierzylinder Benziner
Leistung: 150 PS
Max. Drehm.: 250 Nm bei 1500-3500/min

Höchstgeschwindigkeit: 203 km/h
CO2-Emissionen: 144 g/km
Verbrauch (WLTP) 6,4 Liter
Basispreis: 38.145 Euro
Text: Charlys Autos / Fotos: Matthias Elwert
