
50 Jahre alt musste die Nürburgring Langstreckenserie (NLS / vorher VLN) werden, um einen solchen Saisonauftakt zu erleben: Spektakulär, dramatisch und dazu eine ungeheure Masse an Fans. So etwas gab es bisher in einem halben Jahrhundert noch nicht. Das Debüt des vierfachen Formel1-Weltmeisters Max Verstappen im Mercedes AMG GT3 zog die Besucher bei schönstem Frühlingswetter an die Nordschleife und auf die vollbesetzten Tribünen der Grandprix-Strecke.

Und es endete erst Stunden nach dem Zieleinlauf mit einem dramatischen Urteil der Sportkommissare, als die Fans längst auf dem Heimweg waren. Bei der routinemäßigen Auswertung der sogenannten Tyre-App durch die Technikkommission stellte sich abends heraus, dass das Team am Renntag sieben statt der erlaubten sechs Sätze Reifen verwendet hatte. Die Sportkommissare waren so gezwungen, das Fahrzeug zu disqualifizieren. Einen Entscheidungs-Spielraum gibt es in solchen Fällen nicht.

Die Zuschauer hatten zuvor ein packendes Rennen erlebt, das so endete, wie es begonnen hatte. Der holländische Formel1-Superstar hatte im morgendlichen Qualifying des 58. Barbarossa-Preises mit 7:51,751 Minuten die schnellste Zeit aller 136 Teilnehmer vorgelegt, führte das Feld um 12 Uhr in das vierstündige Rennen und beendete es am Ende auch gemeinsam mit seinen Teamkameraden, dem Spanier Daniel Juncadella und dem Franzosen Jules Gounon, mit denen er auch das 24h-Rennen im Mai bestreiten wird, als Erster.

Nach anfänglich harten Fights zwischen dem Holländer auf der Nordschleife mit Christopher Haase im Scherer-PHX Audi R8 LMS GT3 Evo II hatte das Mercedes-Trio am Ende einen Vorsprung von 59,524 Sekunden vor den im Rennen Zweitplatzierten, dem ROWE BMW M4 GT3 Evo in der Besetzung Daniel Harper / Jordan Pepper. Der ROWE BMW M4 GT3 „erntete“ damit nach dem abrupten Ende der Verstappen-Party den nachträglichen Sieg.

„Es ging in erster Linie darum, mich auf das Auto auf der Nordschleife einzuschießen. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Das Auto war topvorbereitet und wir konnten einiges testen. Es war eine sehr gute Erfahrung für mich, heute hier zu fahren“, war Verstappen im Glauben des deutlichen Sieges sehr zufrieden mit der Performance des Teams.

Die unglaubliche Resonanz am Samstag von geschätzten 25.000 Besuchern rund um die Nordschleife und auf den Tribünen der Grandprix-Strecke lässt in etwa erahnen, was im Mai beim Langstreckenklassiker in der „Grünen Hölle“ los sein wird, wenn die Oranje-Armada für eine ganze Woche auf den Campingplätzen rund um die legendäre Strecke in friedlicher Mission einfallen wird.

Text und Fotos: Charlys Autos
