
Die Mobilitätsbranche, und ganz besonders die Welt des individuellen Verkehrs, wird im Moment kräftig durcheinander gewirbelt. Explosionsartig steigende Kraftstoffpreise, die Abkehr vom strikten Verbrenner-Aus ab 2035, die neue, sozial gestaffelte E-Auto-Förderung von bis zu 6000 Euro: Das alles sorgt in den Synapsen nicht nur der Autofahrerinnen und Autofahrer, sondern auch der Hersteller zu manch ungewollt spektakulärem Drift in die Zukunft.

Dass die Elektromobilität (irgendwann) nicht nur kommen sondern auch dominieren wird, das ist den meisten, oder besser gesagt, fast allen klar. Wie aber möglichst wirtschaftlich unbeschadet dahin gelangen und auf einem zeitlich noch unbefristeten Weg welche Antriebstechnologie einsetzen? Das ist im Moment so etwas wie die viel beschworene Quadratur des Kreises.

Der koreanische Autobauer Kia verfolgt dabei eine mehrgleisige Strategie: Neben neuen Modellen mit modernisierten Verbrennungsmotoren, hocheffizienten Hybridantrieben pusht Kia vor allem seine Modelloffensive bei den reinen Stromern: Für die BEV (battery electric vehicle) steht das Kürzel „EV“ mit Fahrzeugen, die unter anderem mit der schnellen 800-Volt-Ladetechnologie ausgerüstet sind.

Neues Einstiegsmodell ist der EV2, ein kompaktes SUV mit einem akzeptablen Einstiegspreis für ein schon in der Basisversion sehr gut ausgestattetes Auto. Ab 26.600 Euro geht es los. Dabei kann der Kunde bereits zwischen zwei Batteriegrößen von 42,2 und 61,0 kWh und einer Reichweite von bis zu 453 Kilometer Reichweite wählen. Bestellbar ist der Neue jetzt schon, die ersten Autos sollen noch im April 2026 ausgeliefert werden. Wir durften uns den neuen Einstiegs-EV (gesprochen IWI) bereits nicht nur ansehen, sondern auch erste Fahreindrücke gewinnen.

B-Segment nennt sich das Umfeld, in dem der neue EV2 sich nun möglichst erfolgreich schlagen soll. Dort tummeln sich eine ganze Menge von Autos, die irgendwo zwischen Kleinwagen und Kompaktklasse angesiedelt sind. Allerdings ist in dieser Klasse auch der Kampfdruck der Hersteller am größten und die Ellbogenfreiheit am exzessivsten ausgeprägt. Hat der neue Kia EV2 das Zeug dazu, an dieser Theke möglichst große Stücke vom Kuchen für sich zu ergattern?

Kia denkt inzwischen nicht nur europäisch, sondern handelt auch so. Der neue EV2 wurde in der Alten Welt entwickelt, wird in der Slowakei gebaut. Nach dem EV4 der zweite Stromer, der in Europa gefertigt wird. Unser erster Eindruck: Der EV2 ist genauso viel Kia wie alle anderen „IWIS“. Hochstehende Front, kräftige Radhäuser, aber dennoch viel filigrane Lichtsignatur. Ein Auto, das verspricht: Guck mal, ich biete Dir mehr Platz, als es aussieht.

Ach ja, Platz. Wie ist es denn damit innen bestellt? Bei einem Radstand von 2,57 Metern und einer Außenlänge von 4,06 Metern kommen sogar eine Version mit fünf oder eine Zweite mit optional vier Sitzen (zwei einzeln verschiebbare Rücksitze für 300 Euro mehr) dabei heraus. Gute Idee, finden wir. Und die 5er Variante, die wir gefahren sind, erzieht die Insassen auch nicht zu Gummimenschen, die sich irgendwo ins Eck reinquetschen müssen. Passt. Man kann sich dehnen, recken, strecken.

Und das Cockpit? Also die beliebte Frage: „Wieviel Digi-Welt muss sein, wieviel schnödes analoges, aber dennoch praktikables Retro-Überbleibsel durfte noch bleiben? Herausgekommen ist das Beste aus zwei Welten, finden wir. 12,3-Zoll großes Kombi-Instrument, 12,3 Zoll großer Touchscreen dazu noch ein 5,3-Zoll-Display, damit man auch ein richtig angenehmes „IWI-Klima“ erzeugen kann. Unnötig, dass der künftige EV2-Besitzer eine hypermoderne Design-Hochschule absolviert haben muss, um sich zurecht zu finden. „Form follows function“ heißt das auf gut neuhochdeutsch. Heißt nix Anderes wie: Hübsch aussehen ist zwar nicht verkehrt, aber verzweifeln sollte man beim Bedienen bitte schön auch nicht.

Stromer, das wissen alle, die einen fahren, sind umso besser, je schneller man sie laden kann, je mehr sie aufnehmen, je weiter man damit kommt und wie preiswert die Fuhre ist. Und, na klar, was hermachen will man bei der Nachbarschaft und bei den Kolleginnen und Kollegen auch damit. Das Auge, und nicht nur das Gewissen, will schließlich auch was haben. „Der ist aber hübsch“, sagt zwar nichts über das ökologische Basiswissen der Besitzerin oder des Besitzers aus. Aber es ist schon mal ein guter Einstieg für eine gepflegte Debattenkultur über das Auto und die Mobilität als solche.

Was haben wir denn noch vergessen? Ach ja, ein paar technische Details natürlich: Fangen wir mit dem Wichtigsten an: Der EV2 bietet mit der 42,2 kWh Batterie in den Ausstattungsversionen Light (26.600 Euro, 146 PS, 317 km Reichweite), Air (28.990 Euro, 146 PS, Reichweite 317 km) und Earth (31.290 Euro, 146 PS, 308 Reichweite), Gimmicks, die man sonst nur in höheren Chargen findet. Hinzu kommen die Varianten mit dem größeren 61,0-kWh Akku: Air (33.490 Euro, 135 PS, Reichweite 453 kam), Earth (35.790 Euro, 135 PS, Reichweite 426 km und GT Line (36.890 Euro, 135 PS, 413 km). Bei beiden Varianten ist bei Tempo 161 Schluss.

Über was haben wir jetzt noch nicht gesprochen? Richtig, wie er sich fährt, wie sich die Akkus an der DC Schnelladesäule schlagen und mehr. Darüber, großes Indianer-Ehrenwort, werden wir aber auch noch berichten. Nur so viel sei schon gesagt: Kia hat mit dem EV2 ein Auto auf den Markt gebracht, das nicht nur dem Zeitgeist entspricht, sondern auch noch Laune macht.

Text: Charlys Autos / Fotos: Charlys Autos, Lena Willgalis (Kia)

