Leapmotor, die chinesische Automobilmarke unter dem Dach des Stellantis-Konzerns, kennt im Moment nur eine Richtung, und die zeigt nach oben. Im Juli dieses Jahres hat das Unternehmen mit 2750 Neuzulassungen ein Rekordergebnis erreicht. Ein Plus von fast 330  Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jetzt besetzen die Chinesen ein weiteres Marktsegment. Das neue SUV für die Stadt, der BO3X; soll Leapmotor zusätzliche Kundenmärkte erschließen.

In die Riege der kleinen, bezahlbaren Elektro-SUV scheint endlich etwas Bewegung zu kommen. Modelle wie der VW ID. Cross, der Skoda Epiq, der Kia EV2, Opel Mokka Electric oder Fiat 600e heizen den internen Konkurrenzkampf weiter an. Mit dem BO3X von Leapmotor steigt nun ein weiterer aussichtsreicher Mitbewerber in den Ring. Wir haben ihn uns bereits angesehen.

Mit einer Länge von 4,27 Metern passt der neue City-SUV genau in die Lücke zwischen Kleinwagen- und Kompaktsegment. Das optische Erscheinungsbild, eher kantig als rundlich oder Coupé-ähnlich, zeigt die Richtung an: Der BO3X will in erster Linie mit Nutz- und Mehrwert zwischen den Häusern auf sich aufmerksam machen. Das Zauberwort heißt Platz. Der ist reichlich im Angebot. Sowohl im Bereich der beiden vorderen Sitze, im Fond und vor allem über den Kopf ist Luft im Überfluss vorhanden. Die Sitze sind bequem, haben ausreichend Auflagefläche.

Ähnlich wie Honda im Jazz wartet auch Leapmotor imB03X mit sogenannten „magic seats“ auf. So lässt sich die Sitzbank mit nur einem Griff in Richtung Lehne klappen, wodurch sich jede Menge Lademöglichkeiten hinter den Vordersitzen für sperriges Transportgut ergeben. Der Kofferraum überzeugt durch Variabilität und Vielseitigkeit. Den Ladeboden kann man nach unten absenken, wodurch auch größere Sporttaschen oder Ähnliches untergebracht werden können.

Unter dem Ladeboden haben die findigen Innenraumgestalter noch eine voluminöse Box untergebracht. Dank deren Fassungsvermögen von 105 Litern lässt sich dort mehr als nur das Ladekabel unterbringen. Das aber auf jeden Fall. Denn dieser zusätzliche Raum ersetzt auch den fehlenden Frunk im vorderen Bereich des Fahrzeugs. Im Blickfeld des Fahrers dominieren ein großer Bildschirm in der Mittelkonsole und ein Display hinter dem Lenkrad. Drehregler oder Schalter? Fehlanzeige. Der BO3X ist eben ein Kind der digitalen Revolution, bei der man das „R“ vorne getrost streichen kann.

Stattdessen sind viele Funktionen in (Unter)-Menüs versteckt. Deren angestammten Platz, und den Weg dorthin, sollte man vor Fahrtantritt schon einmal eruieren und sich einprägen. Öffnen und starten des Fahrzeugs via Handy gehört ebenso zu den Eigenarten des neuen Leapmotor-Modells wie das inzwischen EU-weit vorgeschriebene Gepiepe; Gepfeife und leider auch Gezerre im Lenkradkranz der (fast) unzähligen Assistenzsysteme.

Die nerven durch ihre bloße, niemals erlahmende Pflichterfüllung mehr, als dass sie das tun würden, wozu man sie eigentlich installiert hat: Auf Gefahrensituationen aufmerksam machen und den Sheriff spielen. Das allerdings ist keine spezielle Nervensäge des Herstellers, sondern wird bei vielen China-Erzeugnissen inzwischen mehr zur Regel als zur Ausnahme.

Die Preisliste beginnt bei 24.900 Euro für das bereits gut ausgestattete Basismodell. Mit zwei verschiedenen Batterie-Größen (39,8-kWh-Akku für eine Reichweite von 292 Kilometern und 53 kWh für 382 Kilometer laut WLTP) ist der neue Leapmotor B03X bestellbar. Diese Angaben verdeutlichen, dass der SUV nicht unbedingt für längere Strecken konzipiert ist. Autofahrer und Fahrerinnen aus der Region, die damit dennoch nicht nur zwischen den Häusern unterwegs sein möchten, sollten sich also vorzugsweise an den größeren Energiespeicher halten. Alleine schon wegen der oft winterlichen Bedingungen im Mittelgebirge, die die Reichweite erheblich beeinflussen.

Die kleinere Batterie braucht bei einer üblichen AC-Ladeleistung von 11 kW etwa vier Stunden von ganz leer auf ganz voll. Die Größere benötigt eine Stunde mehr. Beim „Energie schlucken“ an DC-Schnellladesäulen an der Autobahn ist man in der Regel flott dabei. Nach 21 Minuten soll das Nachfassen von 10 auf 80 Prozent laut Hersteller in der Regel erledigt sein. Die Motor-Systemleistung des Hinterrad-angetriebenen Fahrzeugs beträgt abhängig von der Akku-Größe 177 oder 197 PS: Die Höchstgeschwindigkeit ist in beiden Fällen bei 160 km/h abgeriegelt.

Leapmotor gewährt übrigens keine Rabatte. Bei Preisnachlässen, so Deutschland-Chef Martin Resch, würde man sich bestenfalls die Gebrauchtwagenpreise selbst kaputt machen. Und die wiederum seien bei den Modellen des chinesischen Herstellers vergleichsweise äußerst zufriedenstellend. Auch ohne Preisnachlässe kann man sich bei den Asiaten unter dem Stellantis-Dach über das Geschäft offensichtlich nicht beschweren. Von Januar bis August dieses Jahres wurden nach KBA-Zahlen 13.392 Fahrzeuge von Leapmotor zugelassen.

Neben dem B05, einem Stromer im Format des VW ID.3, ist der B03X das für den chinesischen Autobauer wichtigste neue Fahrzeug in diesem Jahr. Vor allem weil er als SUV zwischen Kleinwagen- und Kompaktklasse mit einem flexiblen Ladekonzept und viel Platz ein völlig neues Segment besetzt. Und das zu einem preisgünstigen, aber nicht unschlagbaren, finanziellen Angebot. Ein Fahrzeug mit sportiver DNA allerdings darf man nicht erwarten.

Text: Charlys Autos / Fotos: Thorsten Weigl