Baugenehmigung 13. August 1925: Beginn der „Grünen Hölle“

Junge Familien, die sich den Traum vom eigenen kleinen Häuschen im Grünen erfüllen möchten, kennen das Problem genauso wie der Dax-Konzern, der in Übersee ein profitables Milliarden-Projekt auf frisch erworbenem neuem Grund in die Höhe zu ziehen gedenkt. Nichts ist oft schlimmer als der Umgang mit Behörden. Das Wiehern des Amtsschimmels Zähneknirschend und Kopfschüttelnd zu ertragen. Bis sie dann endlich doch da ist und es losgehen kann: Die ersehnte Baugenehmigung.

Wie muss das erst vor 100 Jahren gewesen sein? Wenn man – viel schlimmer – noch dazu kein einfaches Haus, sondern gleich eine ganze Rennstrecke bauen wollte? Mitten in die unberührte Natur. Himmel hilf! Irgendwie muss es dann aber doch funktioniert haben. Denn sonst könnten wir heute, am 13. August 2025 nicht ein historisches Datum feiern. Den 100. Geburtstag der Baugenehmigung für den Nürburgring nämlich. Und dieses Schriftstück in Händen zu halten, war wahrlich kein leichtes Stück Arbeit.

Die Eifel war schon früh in der Blickpunkt des Automobilrennsports geraten. Es gab bereits wenige Jahre nach der Erfindung des Automobils erste Auto- und Motorradrennen, die meist auf ebenen Landstraßen mit großer Entfernung ausgetragen wurden. Die Firma Daimler stieg 1898 als erstes deutsches Unternehmen in den Rennsport ein und Kaiser Wilhelm II. wies auf die „nationale Notwendigkeit der Förderung des Rennsports durch die Anlage einer Rennstrecke“ hin. Diese sollte in Taunus, Lüneburger Heide oder Eifel entstehen. Die Projekte Taunus und Lüneburger Heide wurden alsbald verworfen und bereits am 28. Juni 1907 schrieb die in Berlin erscheinende „Automobil-Welt“: „Jetzt spricht alle Welt in dem malerisch gelegenen Eifelstädtchen Adenau davon, dass die Rennbahn in jener Gegend angelegt werden soll.“ Dass die Eifel „mit ihren Hügeln und Gefällen für das geplante Unternehmen sehr zweckdienlich ist, dürfte von Fachleuten nicht bezweifelt werden.“

Doch wie so oft, wenn ein neues Projekt angegangenen werden soll, gab es nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner. Man sei, schrieb die „Automobil-Welt weiter“, geteilter Meinung, „ob die Anlegung einer solchen Rennbahn in der Eifel von Nutzen sein wird.“ Man befürchte nämlich andererseits auch, „dass die Fußwanderer, die jetzt gern die Eifel nach allen Richtungen durchkreuzen, verscheucht würden.“ Demgegenüber waren die dem Vorhaben positiv gegenüber eingestellten Bewohner der Meinung, dass „die Abhaltung großer, namentlich internationaler Rennen den Verkehr heben wird.“

Im Herbst 1907 berichtete die „Adenauer Zeitung“ von mehreren diskutierten Varianten in der Eifel. Einer Rennstrecke in der Nähe von Aachen, einer über die Höhen zwischen Ahr und Brohlbach, einer zwischen Oberahr und Adenau, einer zwischen Mayen und Daun, und einer zwischen Andernach und den Laacher Bergen. Mehrere ausgearbeitete Pläne lägen der Regierung zur Genehmigung vor. Die Rennen sollten auf regulären Landstraßen, teilweise mit Ortsdurchfahrten, die nur während des Rennbetriebes gesperrt werden sollten, ausgetragen werden. Man werde diese Pläne dem Kaiser vorlegen. Realisiert aber wurde nie eine der Ausarbeitungen.

Was folgte, war der folgenschwere erste Weltkrieg, der die deutsche Autoindustrie nach dessen Ende ohnehin in technischen Rückstand zu den ausländischen Konkurrenten gerieten ließ. Es mangelte zudem an einem geeigneten Prüfgelände. Der Begeisterung für den Rennsport aber tat das alles keinen Abbruch. Der ADAC veranstaltete seit 1922 auf einem 33 Kilometer langen Rundkurs über Landstraßen im Raum Nideggen eine „Deutsche Tourist Trophy“, die von Tausenden Anhängern besucht wurde. Ads Rennen musste jedoch wegen wirtschaftlicher Not 1923 ausfallen und die Veranstalter überlegten, wie sie die Nachteile eines Rennens über Landstraßen durch eine feste Rennstrecke ausgleichen könnten.

Es folgten Kontakte, Gespräche. Zu den eifrigsten Betreibern gehörten das Kreistagsmitglied Franz Xaver Weber aus Adenau, Hans Weber, der Gemeinvorsteher von Nürburg, und der Bonner Geschäftsmann Hans Weidenbrück, der Pächter der Nürburger Gemeindejagd. Der gab dann wohl den ideellen Anstoß, indem er formulierte: „Bei euch auf der Nürburg ist es so schön. Diese Gegend verdient es wirklich, wenn sie einem größeren Personenkreis bekannt gemacht wird, diese Rennen hier … „auf Dauer gesehen hier auf diesem Kurs aus zu tragen.“

In behördliche Gänge aber kam der geplante Bau aber erst, nachdem die zu diesem Zeitpunkt vakante Adenauer Landratsstelle 1925 durch den 35jährigen Juristen Dr. Otto Creutz kommissarisch besetzt wurde. Von nun an ging alles fast „im Renntempo“ vorwärts. Creutz war kaum zwei Monate im Amt, da stand er bereits der neu gegründeten Ortsgruppe Adenau des ADAC vor. Als Folge ließ er sich, noch bevor er offiziell zum Landrat ernannt worden war, für die Idee einer Rennstrecke im Raum Nürburg und Adenau begeistern.

In, wie es hießt, „vorausschauender Weise“, sprach Creutz sich für den Bau einer „von jedem Verkehr losgelösten großen Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstraße“ aus. Von der versprach er sich „die dringend notwendige große Verkehrswerbung für den an landwirtschaftlichen Reizen überreichen Kreis Adenau.“ Aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge soll eine Prüfungsstraße, die nicht nur dem Rennsport diene, sondern auch „der Automobil-Industrie wertvolle Dienste in der Vervollkommnung der Motorfahrzeuge leisten solle.“

Dem einstimmigen Beschluss durch den Kreistag Adenau vom 18. Mai 1925 folgte am 10. Juli 1925 eine Versammlung auf der Nürburg, bei der die Gegner des Projektes, darunter der Eifelverein, Gelegenheit bekamen, ihre Bedenken aus Gründen des Natur- und Heimatschutzes vor zu tragen. Diese aber wurden von den Genehmigungsbehörden als gegenstandslosen angesehen und die Dinge nahmen ihren Lauf.  Am 13. August 1925 erfolgte die Genehmigung des Baus als „große Notstandsarbeit durch das Ministerium. Noch am gleichen Tag folgte die landesbaupolizeiliche Genehmigung.

Was daraus entstand, ist ein Mythos, der die Eifel und den Namen der Burg über der Rennstrecke in die ganze Welt trägt: „Die Grüne Hölle.“

(Anmerkung der Redaktion: Mit Informationen und Zitaten von www.rheinische-geschichte.lvr.de

Text: Charlys Autos / Bilder Charlys Autos und freigegebene Fotos von Institutionen