Audis vollelektrische Reise-Limousine: Der Q6 e-tron quattro

Die Marke mit den vier Ringen hält an ihrer Elektrifizierungsstrategie weiter fest. Daran lässt Audi-Chef Gernot Döllner keinen Zweifel. Mit Einführung der PPE-Plattform (Premium Platform Electric) zündete der Hersteller 2024 deren nächste Stufe. Darauf steht auch unser Testwagen: Der Q6 e-tron quattro. Eine Limousine, die nicht nur wegen der neuen Bauform-Basis, sondern auch wegen hoher Ladeleistung und ebensolchen Fahrkomforts in zuvor ungeahnte E-Mobility Sphären fährt. Vorzüge, an die der Hersteller aber auch ein stolzes Preisschild (siehe unten) hängt.

Wohin anders als auf die IAA Mobility gehört ein solches Elektro-Fahrzeug? Also machten wir uns vor wenigen Wochen mit dem Q6 e-tron quattro von zu Hause aus auf die Reise in die Messehallen nach München-Riem. Runde 1000 Kilometer hin und zurück und noch ein bisschen urbaner Verkehr auf den „Open Space“ in die City und Richtung Starnberger See.

Um es vorweg zu nehmen. Der Q6 e-tron ist langstreckentauglich. Mit zu 90 Prozent gefülltem Akku und einer angezeigten Reichweite von 425 Kilometern spulten wir den ersten Reiseabschnitt bis zur Raststätte Gruibingen über die B 10 und durch das „Baustellen-Eldorado“ auf der BAB A8 zwischen Karlsruhe und Stuttgart in etwas mehr als dreieinhalb Stunden ab. Ohne Stromfresser wie Klimaanlage. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 110 km/h, wenn es die Umstände zuließen. Was auf der kilometerlangen Dauerbaustelle zwischen Karlsruhe und Stuttgart seit Jahren nicht usus ist.

Das Display zeigte uns am Albaufstieg bei noch zu 22 Prozent gefülltem Speicher eine Restreichweite von 115 Kilometern an. Als Verbrauch wurden akzeptable 21,8 kW/h präsentiert. Immerhin galt es, zweieinhalb Tonnen zu bewegen. Mit 388 PS und Allradantrieb. Realistisch also weit über 400 Kilometer. Den Titel Reise-Limousine und das Label e-tron hat sich der Q6 also schon einmal verdient.

Die 300-kW-Ladesäule hatten wir über das Bord-Navi angesteuert, was eine Vorkonditionierung der Batterie bewirkt und die Ladeleistung erhöht. Bis zu 270 kW verspricht Audi. Im Idealfall, den wir im Testzeitraum niemals antrafen, wären das 250 Kilometer für zehn Minuten. Beim ersten Nachladen mussten wir uns den Spender mit einem weiteren Stromer teilen, was das „Energie schlürfen“ natürlich reduzierte. Einen manuellen Schalter zum Vorkonditionieren gibt es allerdings leider nicht.

An der Wallbox lädt der Q6 mit bis zu 11 kW. Ohne thermische Vorbereitung. Lobenswerte Alltagslösung: Hinter kleinen, elektrisch öffnenden Klappen auf beiden Seiten der Reiselimousine verbergen sich Ladeanschlüsse. Links findet man den CCS-Port zum Schnellladen, rechts und links gibt es noch Typ-2-Anschlüsse fürs AC-Laden.

Natürlich lässt sich Audis Top-Limousine auch anders bewegen. Das Potenzial reizt zu linearem und kraftvollem Abrufen der Leistung bis zur Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Wobei es natürlich der Reichweite „an den Kragen“ geht. Wir fuhren den Testwagen allerdings nicht nur über die Strecke bis nach München und zurück zum IAA-Besuch, sondern auch in der Region. Insgesamt sind dann mit zivilisiertem Gasfuß über 450 Kilometer möglich.

Audi steht seit Jahren und Jahrzehnten im Konzern für alles rund um die Begriffe „Qualität“ und „Premium“. Das gilt, wie in diesem Fall auch für den Stromer, nicht nur für Fahr- und Ladeleistungen, sondern auch für das Design, für die Platzverhältnisse, für die verwendeten Materialien und deren Verarbeitung. Kurzum für fas Leben an Bord. Im und mit dem Auto.

Interior

Der 4,77 Meter lange Q6, 1,66 Hohe und ausgewogen proportionierte Q6 machte da keine Ausnahme. Raum für Fahrer, Beifahrer, für die Passagiere hinten gibt es für Beine, Kopf und Schultern en Masse. Dazu hinten ein nahezu ebener Fußraum. Die Basisgröße des Kofferraums von 526 Litern lässt sich bei Bedarf mühelos mit ein paar Handgriffen auf 1500 Liter erweitern. Zusätzlichen Stauraum findet man in einem 64 Liter großen Frunk.

Zum Fahrverhalten. Der Q6 fährt sich mit seinem Quattro-Antrieb wie eine Limousine aus besten Verbrenner-Zeiten. Das haben die Audi-Ingenieure ohne Abstriche mit ins Elektro-Zeitalter übernehmen können. Wir empfanden das Fahrwerk als nicht zu straff, aber auch nicht als Schaukelstuhl. Wie gewohnt legt Audi großen Wert auf ein Wunschloses Gesamtpaket von Eleganz, Komfort, Sportlichkeit und Dynamik. Zudem passt sich der adaptive Tempomat voranfahrenden Fahrzeugen oder erfassten Geschwindigkeits-Vorgaben an. Ingolstadt misst sich erfolgreich an den eigenen Ansprüchen.

Dank Luftfederung (das können nicht nur die Franzosen) ist der Q6 e-tron nicht nur auf langen Autobahnpassagen, sondern auch auf den kurvigen Land- und Kreisstraßen unserer Heimat souverän in der Performance. Ein Top-Tool ist die elektromechanisch arbeitende Progressivlenkung. Eine ganze Armada von Assistenzsystem unterstützt Fahrer / Fahrerin und schützt Insassen. Beifahrer können ihr Handy, das man natürlich kabellos aufladen kann, mit einem eigenen 10,9 Zoll großen Touchscreen verbinden. Um eine Musik-App zu starten oder eigene Nachrichten zu lesen und zu verschicken. 

Technische Daten Audi Q6 e-tron quattro

Ausführung:                              fünfsitzige Limousine

L / B /H:                                        4,71 / 1,93 / 1,68 m

Kofferraum-Inhalt:                            526 – 1529 Liter

Radstand:                                                    2,90 Meter

Leergewicht:                                                    2438 kg

Zul. Gesamtgewicht:                                        2940 kg

Maximalleistung E-Motor:                              388 PS

Brutto Batterie-Kapazität:                           100 kWh

Höchstgeschwindigkeit:                              210 km/h

Antrieb:                      permanenter Allrad (Quattro)

Reichweite (Audi-Angabe)                  560 Kilometer

Verbrauch: (WLTP)                              21 kWh/100km

Wärmepumpe:                                        serienmäßig

Preis:       ab 74.700 Euro / Testwagen 92.500 Euro

Text: Charlys Autos / Fotos: Charlys Autos, Audi media