
Bässe wummern, Blitze zucken, Fanfaren ertönen. Der BMW ix3 rollt auf die Bühne. Es ist das Finale einer seit zwei Jahren laufenden Kampagne für die „Neue Klasse“ von BMW. Ursprünglich wurde so das damals neue Mittelklassemodell von 1962 bezeichnet. Eine moderne, sportliche Limousine, die BMW vor dem Untergang rettete. Auf den Reifen der „Neuen Klasse“ von 2025 lastet eine kaum geringere Bürde; Sie soll BMW zur führenden Premiummarke des Elektrozeitalters machen.

So geht es auch dem VW ID Polo und dem Mercedes-Benz GLC, die ebenfalls auf der IAA Mobility in München standen. Die Botschaft der drei Modelle ist klar: Niemand soll die deutsche Automobilindustrie abschreiben. Egal, was aus China kommt: Wir können es noch.

Alle drei Hersteller setzen mit den drei neuen Modellen auf ihre bekannten Stärken: Design, Qualität, Technologie. Vor allem BMW’s ix3 und der VW Polo ID kehren – nach manchen Verirrungen der jüngsten Vergangenheit – wieder zu den Wurzeln der Vergangenheit zurück. Die traditionellen Nieren des BMW sind nun aus Licht statt aus Chrom und wieder so schlank wie die der „Neuen Klasse“ von 1962. Nachdem der i7 zwei absurd große Exemplare spazieren fährt. Die Karosserielinien sind klar gezeichnet. Und, so die Reaktionen in München: Sie gefallen dem Publikum offensichtlich.

Auch der elektrische Polo hat die gesichtslose Formensprache des ID.3 abgeschüttelt. Er kommt mit breiter C-Säule und hochwertigem Innenraum wieder wie ein echter Volkswagen daher. Der ID Cross Concept, das SUV in Polo-Größe, wäre auch ohne Markenemblem erkennbar.

Beim neuen Mercedes „GLC mit EQ-Technologie“ ist nicht nur die Modelbezeichnung etwas sperrig. Der fette, mit 100 LED-Lichtern, illuminierte Kühlergrill – den ein Elektroauto in dieser Größe gar nicht braucht – stößt auf geteiltes Echo. Mercedes-Designer Gorden Wagener wollte auf zahlreiche Chromteile nicht verzichten, während BMW das „Bling-Bling“ längst ablehnt. „Licht ist das neue Chrom“ sagt BMW-Designer Adrian van Hooydonk.

Beim Antrieb zeigen beide Modelle ähnliche Konzepte. BMW und Mercedes erhöhen die Bordspannung der Elektroantriebe auf 800 Volt. Damit werden 30 Prozent schnellere Ladezeiten an der Schnelladesäule möglich, die dem Tanken eines Verbrenners ähneln. BMW-Chef Oliver Zipse hat in München einen Verbrauch von nur 15 Kilowattstunden (kWh) auf 100 Kilometer versprochen. Was in dieser Klasse neuer Rekord wäre. Gebaut wird der ix3 ab Ende des Jahres im neuen Werk im ungarischen Debrecen. Die geringen Fertigungskosten dort tragen auch zum Preis von 68.900 Euro bei. Das sei „ein sehr wettbewerbsfähiger Preis“, betont BMW-Chef Oliver Zipse. Der i3, ebenfalls auf Basis der „Neuen Klasse“, läuft dann nächstes Jahr im Münchener Werk an.

Zwei Elektromotoren treiben Vorder- und Hinterachse des ix3 50 an. Sie liefern 346 kw (470 PS). Mindestens ebenso wichtig wie der Antrieb ist den Bayern die Elektronik. Mit Hilfe des Technologiekonzerns Qualcomm hat BMW auch eine neue Elektronik-Plattform entworfen. Vier „Superbrains“ ersetzen einen großen Teil der mehr als 100 Steuergeräte, die in vielen Autos Dienst tun. Sie sind updatefähig, können also immer mit der neuesten Software versorgt werden. Auffälligstes Merkmal im Innenraum des ix3 ist ein Bildschirmband am unteren Rand der Windschutzscheibe. Hier werden – von allen Sitze aus sichtbar – Informationen über die Fahrt und die gespielte Musik gezeigt. Einen Bildschirm in der Mitte und ein Head-Up-Display gibt es zusätzlich.

Die Batteriezellen bezieht BMW, wie übrigens auch Mercedes, von asiatischen Herstellern. Nämlich von CATL und EVE Energy. Bei der Produktion der Batteriezellen, die rund 40 Prozent des Fahrzeugwertes ausmachen, wächst also die Abhängigkeit vom fernöstlichen Import eher an, als dass sie an Fahrt verliert. So ganz können sie es also doch noch nicht, die deutschen Hersteller. Auch mit der „neuen Klasse“ (noch) nicht.
