
Auf deutschen Straßen sieht man die Fahrzeuge dieses chinesischen Elektroauto-Herstellers bisher noch sehr selten. Das liegt vor allem daran, dass es sich um ein junges Unternehmen, das erst 2014 gegründet wurde, handelt. Unser heutiges Testfahrzeug, die Mittelklasse Limousine P7, ist neben dem Coupé-SUV G6, und dem SUV G9 eines von drei Modellen von XPeng. Das deutsche Kürzel für den Namen des Herstellers Xiaopeng. Der nächste chinesische Autoriese, an dem sich Volkswagen schon für eine Menge Geld Anteile gesichert hat, drängt mit Macht auf den hiesigen Markt. Mit überraschend guten Argumenten, wie unser zweiwöchiger Testbericht ergeben hat.

Wir fuhren die Variante AWD Performance mit Allrad und gesteigerter Leistung. Wobei wir zunächst einmal bei den relevanten Daten wären: 473 PS Leistung, 86,2-kWh-Akku (brutto), 400 Volt-Ladetechnik. Aber beginnen wir mit der Optik und die ist ein schlagkräftiges Argument für die These, dass sich Autobauer nicht nur dem Thema SUV verschreiben sollten. Selten haben wir eine dermaßen geschmackvolle, stimmige und von den Proportionen her äußerst harmonische Limousine wie diesen XPeng P7 gesehen. Der 4,88 Meter lange silberne Blickfang wirkt mit seiner durchgehenden Zierelement-Leuchte – die auch noch hervorragendes Licht macht – und dem vollen gutturalen Ton beim Öffnen und Schließen fast wie eine Space-Hinterlassenschaft von Captain Kirk und Mr. Spock.

Wo wir mit dieser elektrischen Sänfte aus dem fernen Osten auch auftauchten, sorgte sie für neugierige Blicke und Nachfragen. Auch an der von uns oft frequentierten Ladesäule an der Hochwald-Raststätte der Autobahn A1: „Was ist das für einer?“ „XPeng.“ „X wie? Aha, Chinese.“ Rumgehen um das Auto, reingucken („Darf ich mal?) und Nachfragen inklusive. In der Regel gab es viel Lob für das gelungene Blechkleid. Das allerdings hat auch einen Malus in Form eines sehr engen Kofferraum-Zugangs mit einer extrem hohen Ladekante.

Elektro-Fahrzeuge aus dem fernen Osten zeichnen sich Karosserie-unabhängig durch große Bildschirme, jede Menge Touch-Bedienelemente und Internet-Abhängigkeit aus. Das ist beim P7 mit seinem reichhaltigen Angebot an Einstellungsmöglichkeiten nicht anders. Auf jeden Fall empfiehlt sich ein sorgefältiges Kennenlernen vor den ersten Fahrantritten. XPeng ist jedoch seit dem Eintritt auf den hiesigen Markt bemüht, durch ständige Software-Updates erfolgreich bemüht, erste Kinderkrankheiten dieses Genres aus zu merzen. Dazu gehören etwa ein Infotainment mit einer Top-Kameratechnik, großzügiges Display, informatives Headup-Display und innovative Details wie Navi-Ansagen via Lautsprecher aus der Kopfstütze. Umständlich das komplizierte Klimatisierungskonzept und eine nicht von Hand zu justierende Lüftung. Haptische Bedienelemente gibt es so gut wie keine.

An der Qualität der verwendeten Materialien und deren Verarbeitung gibt es nichts zu meckern. Der Klavierlack nimmt im Interieur zwar unserer Meinung nach etwas überhand, aber das Angebot in dem mit viel Platz für Kopf, Beine, Ellbogen und Schultern ausgestatteten P7 hat ansonsten Premium-Qualität. Auch für diverse Ablagen gibt es in der Mittelkonsole viel Platz. Der Kofferraum bietet mit seiner umklappbaren Rücksitzbank trotz der umständlichen Beladungsmöglichkeit viel Raum. Ein Frunk, also ein Stauraum unter der Motorhaube, hätte dieses Angebot noch verbessert. Etwa als Platzhalter für das AC-Ladekabel.

Ist das komfortable Gleiten in diesem Auto, dessen Proportionen an die französischen Oberklasse-Limousinen vergangener Jahrzehnte erinnern, genauso beruhigend und entspannend wie seine Präsenz? Beginen wir mit dem Fahrwerk: Auf uns wirkt es wie ein Cocktail aus Plüsch und Trampolin. Ebenso kraftvoll gemütlich wie straff gleicharmaßen. Die beiden Motoren an Vorder- und Hinterachse geben ihren Anteil zum zügigen, kraftvollen Vorwärtskommen mit größter Laufkultur ab.

Als perfekte Reiselimousine konzipiert, hat der P7 auf dem Weg dorthin schon den größten Teil der Strecke zurückgelegt. Der Innenraum ist auch bei hohen Geschwindigkeiten angenehm leise. Zum Thema laden: 400 Volt ist nicht auf dem neuesten Stand der Technik, die Ladeleistung allerdings mehr als nur zufriedenstellend. 25 Minuten von zehn auf 80 Prozent, wobei die Ladekurve ab der Hälfte rasant in den Keller stürzt. 175 kW sind angegeben, die hielt der P7 bis weit über die Hälfte. Aus den 505 Kilometern, die XPeng als Reichweiten-Wert angibt, sind etwa 420 geworden.

Thema Sicherheit: Gewarnt wird ständig. Bei allen Aversionen gegen ein frühestmögliches Piep-Konzert vor zu geringem Abstand zum Vordermann, etwaigen Kollisionen, Gefahren im toten Winkel, rückwärtig heranrauschenden Verkehrsteilnehmern und beim Spurwechsel, sollte diese blockiert sein. Der P7 leitet selbstständig eine Notbremsung ein, gleich ob Auto, Fahrrad oder Fußgänger.

Was uns noch auffiel: Das Glasdach heizt sich bei Bedingungen, wie sie beim Berichtszeitraum herrschten, extrem auf. Und: Dachreling und Anhängerkupplung haben wir in den Hersteller-Infos nicht gefunden. .Schade. Das hätte zwar der Optik und der Windschlüpfrigkeit nicht zur Zierde gereicht, dafür aber der Praktikabilität. Für die Bedienung der Klima- und Leuchtfunktionen wäre der eine oder andere Drehregler oder Wahlstockhebel sinnvoller gewesen.

Das Gute daran: Das alles sind keine unveränderbaren Gegebenheiten. Sie ändern auch nichts daran, dass das Fahrzeug dieses chinesischen Herstellers, der gerade erst dabei ist, sich hier seine Anteile zu sichern, im Kampf gegen die heimische Konkurrenz wie NIO oder BYD wie gegen die deutschen Premium-Hersteller oder gegen Volvo gute Karten hat. Einen langen Atem vorausgesetzt. Das Rennen um die Gunst des E-Auto-Kunden wird durch XPeng jedenfalls deutlich interessanter und offener.

Preislich punktet der Chinese im Vergleich zu Mitbewerbern wie BMW i5 Performance, Audi AQ6 e-tron oder Mercedes EQE 500 Electric Art 4Matic ganz gewaltig. Der Einstiegspreis beim XPeng P7 in der von uns gefahrenen Version liegt bei 58.600 Euro. Beim BMW geht es bei allerdings 601 PS bei 99.500 Euro los, der Einstiegspreis des Mercedes liegt bei 88.215 Euro und bei Audi geht unter einer sechststelligen Summe gar nichts.
Was Vulkanier Mr. Spock zu dessen Lieblings-Feststellung veranlasst hätte: „Faszinierend.“

Text: Charlys Autos / Fotos: Dennis Weber
