
Die 13. Auflage des weltweit größten historischen Rallyespektakels in Daun und im Kelberger Land war weiß Gott kein schlechtes Omen, kein Grund abergläubisch zu sein. Nein, im Gegenteil: Nie war die Promi-Dichte höher in diesem Tempel der Quertreiber-Fraktionen aus einem halben Jahrhundert. Was sowohl für die Fahrzeuge als auch für deren Besatzung galt.

Wie etwa Rallye-Weltmeister Thierry Neuville aus dem unweiten belgischen St. Vith als Schirmherr. Oder die bislang einzige Siegerin der Rallye „Dakar“, Jutta Kleinschmidt. Nationale und internationale Titelträger wie Stig Blomqvist, Harald Demuth, oder Ex-Profi und TV-Star Niki Schelle. Dazu Autos aus der Kategorie „größtes rollendes Rallyemuseum der Welt“. Originale, einzigartig.

So weit, so einzigartig, so toll und so anziehend für alle, die „Benzin mit der Muttermilch aufgesogen“ haben. Mehrere Zehntausend, so der Veranstalter, der Motorsportclub (MSC) Daun, seien es auch in diesem Jahr wieder gewesen. Bleibt also die nicht unerhebliche Frage für die Menschen, die hier leben: Was haben wir von dieser friedlichen Invasion, die seit eineinhalb Jahrzehnten einmal im Jahr Stadt und Umland bevölkert. Was bleibt unter dem Strich?

Wir haben einen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Uns umgehört, sind in Geschäfte gegangen, haben „Mäuschen gespielt“. Alle haben uns, und das ist nicht selbstverständlich, wenn „die Bude voll“ war, Ohr und Mund geliehen.

Fangen wir an bei den Damen der Tourist-Information. Michaela Berlinger bestätigt uns, dass es zur Rallyezeit fast unmöglich sei, in Daun und im Umkreis von 15 Kilometern noch ein Zimmer zu bekommen. „Wir versuchen, zu vermitteln. Etliche Gäste haben für das nächste Jahr ihre Unterkunft gebucht.“ Viele Ausländer, demzufolge die Tourist-Information auch dreisprachig besetzt.

Einen gern gesehenen Zusatzeffekt habe das Festival: „Wer wegen der Rallye kommt, sieht natürlich auch unsere Prospekte über Daun, über die Vulkaneifel, über die Urlaubs- und Freizeitaktivitäten, die man hier machen kann.“ Und viele kämen wieder, die beim ersten Mal nur wegen der Rallye da waren.

Gegenüber vom Forum ist das Einrichtungshaus Minninger. Davor fällt uns ein ganz besonderes Stück „Möbel“ auf: „Rallyestuhl, 12.90 Euro.“ Also: Da gehen wir mal rein und fragen. Sabine Voswinkel gibt uns gerne Auskunft: „Na klar, haben wir mehr Betrieb, wenn so viele Leute in der Stadt sind. Viele Holländer und Belgier vor allem. Wir stellen uns mit unseren Angeboten auch darauf ein.“

Als sei es bestellt gewesen, kommt ein Rallyegast in den Laden, mit besagtem Stuhl unter dem Arm und gezückter Bankcard. „Na bitte, der Rallyestuhl ist weg“, strahlt Sabine Voswinkel. Ob ich denn ein Bild von ihm und dem Stuhl mit dem Schild Rallyestuhl machen dürfe, frage ich. „Gerne“. Und schon präsentiert er stolz seine neue Sitzgelegenheit. Beim rausgehen beantwortet Sabine Voswinkel unsere Frage: „Einrichtungshaus brauchen Sie nicht zu schreiben, Schreiben Sie einfach Firma Minninger. Uns kennt hier jeder.“

Von Minninger aus links runter, dann rechts hoch kommen wir zur Eifeler Landbäckerei Roden-Brot. Die Terrasse voll, der Laden nicht minder. „Na, die werden froh sein, wenn wir jetzt kommen und erzählen, dass wir nix kaufen, aber was von Ihnen wissen wollen“, denke ich mir. Doch siehe da, die freundliche Margit Juchems hat zwischen Bedienen etwas Zeit für uns: „Die Rallye beschert uns natürlich Gäste, die sonst nicht da sind. Vor allem auf der Terrasse. Klar, dass wir froh mit ihr sind.“ Mehr trauen wir uns auch gar nicht zu fragen, weil sie schon wieder hinter den Tresen muss. „Vielen Dank, Frau Juchems. Wir gehen wieder. Wir möchten nicht beim Geld verdienen stören.“ Margit Juchems lacht und meint: „Ein bisschen tut ihr das schon im Moment.“

Mal gucken, was in der Rallyemeile los ist. Dort sind viele Stände mit Motorsport-Merchandising. Einen suchen wir uns raus: Racestore.at Mit einer besonderen Betreiberin: Christine Dorfner, füher erfolgreiche Rallyefahrerin. Absolventin des 24h-Rennens 2005. „Tine“ kommt seit drei Jahren nach Daun. „Für mich ist das wie Klassentreffen. Ich kenne ja alle noch.“ Ob sich das lohnt für sie, von so weit her nach Daun zu kommen? „Das ist eine Mischkalkulation. Ich mache natürlich auch auf unseren Online-Handel aufmerksam.“

Aufmerksamkeit will auch Jo Theis, Inhaber von quattros.de aus Wittlich-Wengerohr erregen. „Das ist reines Marketing“ sagt Jo, erfolgreicher Unternehmer und aktiver Rallyefahrer im Audi TT quattro. „Wir sind noch der einzige klassische Ausstellerstand in der Rallyemeile“, sagt er. Von Anfang an seit dem ersten Eifel Rallyefestival dabei, ist Jo Theis mit der „gesamten Mannschaft“ in Daun. Fest angestellte und Freunde. „Anders geht das nicht.“

Wars das? Nein, nicht ganz. Da war doch noch unser Besuch in der „Eifeler Metzgerei Zerfaß“. Auch hier natürlich, kein Wunder, rappelvoll. Wir finden dennoch eine freundliche Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden wollte, uns aber beim Bedienen bestätigt: „Natürlich haben wir während der Rallye mehr Betrieb als sonst. Sie sehen doch, was hier los ist.“ Als mich plötzlich einer der Kunden freudestrahlend anspricht und sagt: „Mensch was machst Du denn hier? Jahrzehntelang nicht gesehen und dann heute hier.“ Rainer Schwab, als Grundschullehrer und Handball-„Denkmal“ eine Institution in Daun. Schön, Dich mal wieder getroffen zu haben, Rainer!

So kann es gehen, wenn man mal „Mäuschen spielt.“ Wenn es „Brei regnet“ und die Geschäftsleute „Löffel haben müssen“, wie der Volksmund sagt. Und sie dennoch gerne Auskunft geben. Wo immer wir auch versucht haben, nicht am Geld verdienen zu hindern und trotzdem heraus zu finden, wie das denn so ist mit der Rallye und den vielen Menschen in der Stadt.
Text: Charlys Autos / Bilder: Charlys Autos, ERF Media
